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| Copyright Charlotte Grimm |
Im Nachgang zu meiner Rezension von Jörn Höpners "Sag mir, was du kaufst und ich sage dir, wer du bist" habe ich die Chance erhalten Herrn Höpfner ein paar Fragen zu stellen - heute bekommt ihr unser kleines Interview zu lesen!
Viel Spaß dabei!
1. Wie wurde die Idee zu diesem Buch
geboren?
Tatsächlich wie die meisten guten Dinge in
meinem Leben: Reiner Zufall! Ich hatte schon ein paar Jahre mit dem
Thema Zielgruppen, Nutzertypen usw. geforscht und gearbeitet und
stand in meiner Mittagspause in einer sehr endlosen und sehr
langsamen Kassenschlange im Discounter einen Steinwurf vom Institut
entfernt. Es gab damals einen Apfelmus-Disput mit einer älteren Dame
und während das ganze Band vollkommen ausgebremst wurde,
verschmolzen meine Arbeit und die Menschen bzw. ihre Einkäufe vor
und hinter mir zu einer Idee. Einige Zeit später hing ich dann in
einem sehr vollen Regionalexpress nach Hamburg für zwei Stunden fest
und war umringt von mehr oder weniger eindeutigen Milieuvertretern.
Damals hab ich mich im Stillen gefragt ob das jetzt die Hölle sei
oder ob die Hölle nicht doch eine quälend langsame Kassenschlange
im Discounter ist… und so war die Idee geboren.
2. Wie lange hat die Fertigstellung
gedauert, von der Idee bis zum fertigen Buch in der Hand?
Vom ersten Telefonat mit meinem Lektor bis das
Buch auf den Markt kam, sind knapp zwei Jahre vergangen. Ich glaube,
ich habe etwa 16 Monate davon mit dem Schreiben bzw. den Korrekturen
und Nachbesserungen verbracht. Der Kampf um einzelne Sätze, Zeilen
oder ganze Kapitel hat sich ein wenig gezogen. (lacht) Der Rest ist
für Absprachen, das Exposé und die Produktion draufgegangen.
3. Was haben Sie typischerweise in ihrem
Einkaufskorb und was sagt es über Sie aus?
Meine Freundin liest gerade mein Buch und hat
mir vor ein paar Tagen tatsächlich ein Foto geschickt vom
Einkaufskorb der Expeditiven mit den Worten „Dein Einkauf, immer!“.
Ich fürchte, sie hat was das angeht nicht unrecht, denn Hummus,
Ingwer, Kokosmilch und Co. Kaufe ich tatsächlich relativ oft. Aber
wenn ich mal ehrlich bin, habe ich meine persönlichen
Einkaufsroutinen ganz gut über das Buch verteilt. Die Einkaufskörbe
der Expeditiven und der liberal-Intellektuellen, kombiniert mit dem
Korb meines Buch-Ichs aus dem sozial-ökologischen Kapitel entspricht
schon sehr der Wirklichkeit.
4. Ich gehöre zu einer der Einkaufsgruppen,
die sie versuchen zu meiden. Im schlimmsten Fall, wäre ich mit drei
Kindern anzutreffen, im besten Fall mit einem (oder keinem). Was sagt
mein Einkaufswagen über mich aus: Haferflocken, Gummibärchen,
Apfelsaft (naturtrüb), Nudeln, Blaubeeren, Kaki, Ananas, Gürkchen,
Cola light, Erbsen, Naturjoghurt, Salami und Gouda. Und man sieht in
diesem Fall nicht, dass ich regelmäßig im Hofladen einkaufe und wir
selber einen Garten und Hühner haben (somit habe ich noch Gemüse
aus dem Sommer in der Tiefkühltruhe, ebenso wie Suppenhühner und
Brathähnchen) - Eier gibt es natürlich auch keine gekauften.
(lacht) Ich versuche solche Fragen immer zu
umschiffen, da die Quintessenz des Buches (in meinen Augen) ja doch
ist, dass es so einfach dann ja doch nicht funktioniert. Aber wenn
ich raten würde, müsste ich an dieser Stelle sagen, dass wir viel
mehr brauchen, weil jedes Puzzleteil zählt: Wo sind wir? Wie sehen
Sie aus? Was haben Sie an? Was sind das für Nudeln? Von welcher
Marke ist die Cola Light? Ist der Gouda von der Käsetheke oder aus
dem Regal? Geschnitten oder am Stück? Alles ist ein Zeichen. Das
Gesamtbild ist immer wichtig.
5. Haben Sie noch weitere Buch-Projekte in
der Schublade oder wollen Sie sich auf`s slammen konzentrieren?
Von allem ein bißchen. Ich vermisse die Bühne
und werde 2018 wohl wieder auf die Bretter, die die Welt bedeuten
zurückkehren. Ob das jetzt Science Slam, Poetry Slam oder ein
eigenes Bühnenprogramm wird, steht noch nicht fest, aber eine
Rückkehr auf die Bühne wir es geben. An Buchideen mangelt es mir
nicht und ich habe viel Liebe für das Schreiben, aber aktuell in
Umsetzung begriffen ist (leider) noch keines. Aber ich bin
hoffnungsvoll, dass es ein nächstes geben wird.
6. Da ich einen Buch-Blog habe nun meine
Standard-Frage: Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Puuuuh… ein
einziges? Das ist hart. Das letzte Buch in das ich mich verliebt
habe, war Neil Gaiman „The
View from the Cheap Seats: Selected Nonfiction”.
Unglaublich gutes Buch, das ganz viel Liebe zum Schreiben und zum
geschriebenen Wort transportiert. Aber „Der Fall Charles Dexter
Ward“ von H.P. Lovecraft kann ich immer lesen.
Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit
genommen haben meine Fragen zu beantworten und auch vielen Dank an die
Vermittlung über Literaturtest!
Hier kommt ihr noch einmal zu meiner Rezension!

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