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Donnerstag, 25. Oktober 2012

Rezension: Liz Hoppe - Aufgeputscht und abgefahren

Liz Hoppe - Aufgeputscht und abgefahren

Nicht für jeden ist das Leben einfach zu meistern

Inhalt:
"Meine glanzlose Bruchstückerinnerung flackerte unermüdlich in meinem Kopf wie die Bildstörungen eines Schwarzweißfilms auf der Leinwand. Ich fühlte mich verlassen, allein gelassen von mir selbst, und wärst du nicht bei mir, mit mir im selben Boot gewesen, wäre ich in den brechenden Wellen der Schwermut ertrunken."
(S.106)

Sara möchte aus ihrem wohlbehüteten Leben bei ihren Eltern auf dem Land ausbrechen und reist nach Berlin zu Nicki, der Schwester eines Nachbarjungen.
Der erste Kontakt läuft nicht wie gewünscht ab, aber bald schon lernen die Mädchen sich kennen und Nicki reißt Sara mit, in einen Sumpf aus Technobeats, harten Drogen und anonymen Sex.

Meinung:
Liz Hoppe hat mit „Aufgeputscht und abgefahren“ ein schrecklich realistisches Buch über die Techno- und Partyszene Berlins geschrieben. Ein Buch, dass aufzeigt, wie schnell man in den Drogensumpf hineingerät und schwierig es ist sich aus dieser Lethargie wieder zu befreien.

Liz Hoppe zeigt ungeschönt den Alltag der zwei Mädchen auf, der eigentlich immer nur aus den gleichen Abläufen besteht: die erste Line, die nächste Line, ein paar bunte Pillen, Party, Sex, dem Kater am nächsten Morgen. Jeder Tag gleicht dem anderen, aus dass die Exzessivität mit der die Mädchen abfeiern, immer weiter steigt.

Die Autorin benutzt eine harte und ungeschönte Sprache, die zum Lebenswandel von Nicki und Sara passt. Nachts Partyköniginnen, die nicht genug bekommen und am tagsüber unmotiviert, traurig, leer – manchmal fast schon seelenlos.
Und es wird auch klar, dass die Mädels am liebsten ausbrechen möchten, denn sie selbst sind unglücklich über ihre Lage, finden nur keinen Ausweg mehr.

Mir hat übrigens neben dem Schreibstil auch die Umsetzung der Gedankengänge der einzelnen Protagonisten sehr gut gefallen. Durch die Abgrenzung mit den Namen in den Klammern, ist es immer ersichtlich, wessen Gedanken man liest und irgendwie passt es auch zu diesem Buch sehr gut.

„Aufgeputscht und abgefahren“ ist für mich ein hartes Stück Aufklärungsliteratur. Es ist nicht immer einfach das Buch zu lesen, aber ich finde es notwendig, dass es Bücher gibt, die sich auch mit den Schattenseiten und unschönen Themen bzw. Ausrichtungen des Lebens auseinander setzen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich beim Unsichtbar Verlag und für die Möglichkeit dieser Leserunde bei lovelybooks!

Produktinformation:
Liz Hoppe - Aufgeputscht und abgefahren, 2012 im Unsichtbar Verlag erschienen
120 Seiten, 9,99 €



Mittwoch, 19. September 2012

Rezension: Bianca Stücker - The spooky Verona Freak show

Bianca Stücker - The Spooky Verona Freak Show

Ein Roman, wie ein skuriler Roadmovie

Inhalt:
"Ist deine Schwester auch hier", fragte Robin. 
"Was sollen Wildschweine denn zu tun haben", fragte Hauke und verzog angewidert das Gesicht, "die Arschlöcher?"
"Arsch sagen wir nicht", erinnerte ich ihn und sah Robin an. 
"Nein", antwortete ich, "sie ist auf einem anderen Fest."
"Das hab ich mir schon gedacht", erklärte Robin, "die ist bestimmt bei GraphArts, oder?"
"Stimmt", staunte ich, "woher weißt du das?"
"Die Arschlöcher sollen wiederkommen", verlangte Hauke und rüttelte an der mittleren Latte des Zaunes."
(S. 102/103)

Vicky und Scarlett haben gemeinsam die Band die Veronas gegründet. Doch zu zweit haben sie nicht so die Möglichkeiten bekannt zu werden. Aber alles ändert sich dann mit Nico, Nihil Valentine, dem neuen Schlagzeuger, seinem dreibeinigen Hund Saalfeld, dem transylvanischen Trompeter Christian und den Bässen Eins bis Neun...

Meinung:
"The Spooky Verona Freak Show" ist mittlerweile mein drittes Buch aus dem Unsichtbar Verlag - und enttäuscht wurde ich bis jetzt noch nicht.
Bianca Stücker hat mit diesem Buch eine wirklich wundervolle, humorvolle und echt skurrile Geschichte aufs Papier gezaubert, die den Leser einfach mitreißen muss.

Allein unsere zwei Damen konnten mich direkt begeistern, Victoria Secret und Scarlet Suicide, sind einfach einprägsam und auf ihre verdrehte Art auch sehr liebenswürdig.
Die Künstlernamen gefallen mir generell sehr gut, genauso wie ihre Bühnendeko und ihre chaotische Art.
Auch die Suche nach dem Bassist hat mir wirklich richtig gut gefallen, auch alles sehr chaotisch und viele Katastrophen dabei - von Frau Rennsiek mal abgesehen. Aber das ist ja wieder ein anderes Thema...

Aber ich habe auch einen heimlichen Lieblingsprotagonisten - und wer das Buch gelesen hat, wird mich verstehen können. Der Neffe von Vicky, auch Tante Ficki genannt, ist einfach ein wundervoll freches Kind mit einem riesengroßen Mundwerk. Er beschäftigt sich gerne mit Folterinstrumenten, Hexen und schmeißt permanent mit Schimpfwörtern um sich! Ich liebe Hauke einfach!
Und er bringt sehr viel Situationskomik in die Geschichte hinein.

Auch die Gestaltung des Buches ist mit immer wieder abgedruckten schwarz-weiß Bildern etwas besonderes und lässt einen doch immer wieder schmunzeln!

"The Spooky Verona Freak Show" ein absolut tolles Buch, das jeden Mensch mit Humor überzeugen muss.
Kurzweilig, chaotisch und aufregend wie das Leben selbst!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereistestellung bedanke ich mich bei Bianca Stücker, dem Unsichtbar Verlag und die Möglichkeit zur Leserunde bei Lovelybooks!

Produktinformation:
Bianca Stücker - The Spooky Verona Freak Show, 2012 im Unsichtbar Verlag erschienen,
311 Siten, 9,99 €

Freitag, 3. August 2012

Rezension: Jana Krivanek - Kleine Fische küssen besser

Jana Krivanek - Kleine Fische küssen besser

Der ganze normale Single-Wahnsinn

Inhalt:
"In der Küche zu stehen um zu kochen macht schon verdammt wenig Spaß. Mir zumindest. Aber in halterlosen Strümpfen, Strapsen, roter Seidenwäsche und einer rot-weiß karierten Designerkochschürze in der Küche zu stehen, macht nicht nur keinen Spaß, sondern sieht auch noch bescheuert aus. Also hoffentlich stürzt jetzt kein Passagierflugzeug in Nachbarsgarten ab, denn ich möchte in diesem Aufzug nicht das Letzte sein, was die Insassen zu Gesicht bekommen!!
(S.7)



Caro ist seit 7 Jahren mit Max zusammen. Oder besser - Caro war 7 Jahre mit Max zusammen. Denn nachdem sie in Dessous in der Küche steht und kocht und er lieber Fernsehen schauen will ist klar, dass die Luft hier vollkommen raus ist. Gott-sei-Dank hat Caro noch ihre beste Freundin Marie, die ihr nach dem Beziehungs-Aus zur Seite steht, ihr einen unvergesslichen Urlaub bucht und eine neue Bleibe besorgt.

Meinung:
Jana Krivaneks Schreibstil ist leicht zu lesen, so dass man diese kleine humorvolle Frauenliteratur ganz gut weglesen kann. Ein tiefgründiges Buch, sollte man hier nicht erwarten, aber dennoch einen unterhaltsamen Zeitvertreib.

Ich muss sagen, dass es mir die Charaktere zum Teil schon recht schwierig gemacht haben - allen voran natürlich unsere Caro. Am Anfang wirkt sie teilweise wirklich sehr überheblich und unsympathisch. Vor allen Dingen, wenn man liest, wie sie mit ihren vorherigen Freunden umgegangen ist. Dann kann man wirklich nicht anders, als sich innerlich ins Fäustchen zu lachen und zu denken:"Liebe Caro,  genau das hast du verdient. Jetzt wirst du mal abserviert."
Auch in ihrem Ägypten-Urlaub ist sie teilweise noch sehr anstrengend und wirklich unfreundlich, zum Beispiel zu dem netten Chefanimatuer Marco. Er meint es eigentlich nur gut mit ihr, auch wenn ihr mal contra gibt, aber sie lässt wirklich die Zicke deluxe heraus.
Max, ihr Ex-Freund, ist für mich eine Pfeife. Mal ganz ehrlich welchen Mann, lässt denn erstens so eine Aktion vollkommen kalt (Triebe wo seid ihr?) und zweitens ist er noch nicht mal Mannes genug ihr zu sagen, wieso er nicht mehr mit ihr zusammen sein kann oder will.
Caros Rettung findet für mich nach ihrem Urlaub statt, sie wird etwas menschlicher, weniger gehässiger. Vielleicht liegt das ja auch einfach an dem hübschen Manuel, der Caro auf andere Gedanken bringt.

Übrigens mir fällt grade auf, dass Frau Krivanek eine Schwäche für männliche Vornamen mit M zu haben scheint: Max, Marco und Manuel.

Frau Krivanek versteht es aber auch sehr gut Humor in ihre Geschichte einfließen zu lassen, sei es durch unzählige Fettnäpfchen, durch die Caro mitten durch läuft, oder aber auch ihre schon fast schwachsinnigen Aktionen mit Freundin Marie.

Das Cover finde ich übrigens sehr süß und passt es ziemlich gut zu diesem Roman. Außerdem liebe ich bekanntlich ja pink.

Alles in allem, eine kurzweilige, sommerliche Lektüre, die uns ein paar amüsante Stunden bescheren kann!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ (3,5)

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich beim Unsichtbar Verlag und lovelybooks für die Möglichkeit zu dieser Leserunde!

Produktinformation:
Jana Krivanek - Kleine Fische küssen besser, 2012 im Unsichtbar Verlag erschienen
254 Seiten, 9,99 €

Montag, 4. Juni 2012

Rezension: Arno Loeb - Der Neuschwanstein Code

Arno Loeb - Der Neuschwanstein Code

Verschwörungstherorie trifft auf das Rheingold

Inhalt:
"Der Märchenkönig ließ sich ein Traumschloss erbauen, in dem die Illusion regierte. Aber das rote Blut, das sich aus der Brust von Bill Loomis auf den Boden ergoss und sich langsam auf dem Parkett ausbreitete, das war echt. Bill Loomis endete als Musical-Sänger. Seine Stimme hatte nie für eine Wagner-Oper gereicht. Wie der Märchenkönig kannte Bill Loomis die Illusionen. Wie Ludwig II hatten sie ihn in seinem einsamen Leben viel Freude gemacht."
(S.8)

Wally ist Fremdenführerin im Schloss Neuschwanstein. Als sie morgens die erste Führung mit einer Gruppe durch das Schloss leitet, macht sie eine grauenvolle Entdeckung: zwei Tote liegen im Sängersaal. Nun bricht Hektik und Chaos aus - und was am Anfang wie ein "normaler" Doppelmord aussieht, entpuppt sich als gewaltige Verschwörung auf den Spuren der Nibelungen und des Rheingolds.
Gemeinsam mit Taka und Kommissar Dolling muss Wally das Rätsel um Schloss Neuschwanstein lösen...

Meinung:
Arno Loebs Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen. Er versteht es den Leser direkt in seine Geschichte hineinzuziehen und beschreibt Schloß Neuschwanstein und Umgebung so detailliert und bildhaft, dass man meint, man wäre da. Das traumhaft, schöne Cover hilft aber noch zusätzlich, sich das Märchenschloss vor Augen zu führen.

Die Geschichte um das Rheingold und den Doppelmord hat natürlich auch einiges an Spannung aufzuweisen. Arno Loeb plänkelt auch zu Beginn nicht lange rum, direkt auf den ersten Seiten erlebt man den Mord und bekommt mit wie Wally sich selbst in Gefahr bringt, weil sie eine kleine Dose einsteckt. Eine kleine Dose, die doch viel mehr ist, als sie zu sein scheint...
Die Nachfahren der Nibelungen sind ihr auf der Spur und wollen auch hinter das Geheimnis von Schloss Neuschwanstein kommen und das Rheingold bergen - und dafür schrecken sie auch nicht vor Mord zurück...

Spannend und abwechslungsreich ist der Perspektivenwechsel - mal wird die Geschichte aus Wallys Sicht erzählt und dann aus der Sicht von Albert, dem Anführer der Nibelungen, und seiner Gefährtin und Mordwaffe  Edda. Hier finde ich die Namenswahl übrigens auch sehr interessant und passend. Sie kommt aus nördlicheren Gefilden und wurde nach der nordischen Sagensammlung benannt. Albert erinnert durch seinen Namen, die Gier nach dem Schatz und noch einigen Dingen, die ich hier nicht verraten möchte sehr dem Zwergen Alberich aus der Nibelungensage.

Die Charaktere werden in "Der Neuschwanstein Code" auch sehr schön ausgemalt und mit Liebe zum Detail beschrieben. Wir treffen auf eine Vielfalt von Charakteren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Kommisar Dolling, der sehr freundlich, offen und um Wallys Wohl besorgt ist, oder auch Taka, der Sohn vom Inhaber, des Sushi Ladens, dessen Großvater ein Samurai war, und der sehr großes Interesse an Wally hat. Ihr seht es ist spannend und es gibt genügend interessante Charaktere kennenzulernen.

Was mir auch sehr gut gefällt sind die Zitate. An jedem Kapitelbeginn finden wir eines vor, mal aus der Nibelungensage, mal von Wagner oder Nietzsche - auf die ihr auch noch öfter treffen werdet, wenn ihr dieses Buch lest.
"Bervor der Mörder den Schatz also verbarg,
da hatten Sie`s geschworen mit Eiden hoch und stark,
daß er verborgen bliebe so lang`sie möchten leben:
so konnten sie`s nicht selber noch jemand anders nehmen."
(Lied der Nibelungen)
Das einzige kleine Manko am "Neuschwanstein Code" war an machen Stellen für mich das Lektorrat. Da es sich beim Unsichtbar Verlag aber noch um einen kleinen Verlag handelt, hoffe ich, dass sie das auch noch in den Griff bekommen.

Ein spannender Verschwörungsthriller mit einem traumhaften Setting und jeder Menge unterhaltsamen und interessanten Charakteren!
Arno Loeb werde ich im Auge behalten!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Produktinformation:
Arno Loeb - Der Neuschwanstein-Code, erschienen 2012 im Unsichtbar Verlag
400 Seiten, 12,95 €