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Mittwoch, 9. Dezember 2020

Eva-Isabel Schmid - Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele

 Existiert die menschliche Seele?

Klappentext:

Basel im Spätmittelalter auf dem Sprung zur Renaissance. Der junge Medizinstudent Paracelsus und sein Kommilitone Caspar erhalten von der katholischen Kirche eine Sondergenehmigung zum Sezieren von Leichen. Zu nur einem Zweck: Sie sollen die Existenz der menschlichen Seele beweisen. Als der grausame neue Bischof die Macht erlangt, werden die Freunde der Ketzerei beschuldigt und finden sich gefangen in einem Netz aus Inquisition, politischen Intrigen und einem blutigen Bürgerkrieg. 

Die Fortsetzung des Romans erscheint 2021.

Meinung:

Ich bin ja wie ihr wisst keine große Historienfreundin, aber dieser historische Roman hat mich wirklich angesprochen. Das Thema klingt interessant. Paracelsus als Person und die Suche nach der menschlichen Seele ist ein wirklich spannendes Thema - von daher war ich sehr auf die Umsetzung gespannt. 

Schon der Einstieg in die Geschichte ist richtig spannend gewählt. Paracelsus wird als Student zu einem Bauernpaar gerufen, dessen Junge vom Karren auf eine Egge gefallen ist. Es steht schlecht um den Jungen und doch kann er ihn retten...

Und dann kommt der letzte Satz des ersten Kapitels. "Die Toten erwarteten ihn" Die erste Szene und auch dieser Satz sorgen direkt für Neugierde, man möchte mehr über Paracelsus und sein Schaffen erfahren. Wirklich spannend. 

Ich mag sowohl Paracelsus und auch Casper als Charaktere sehr gerne. Und ihr Wirken und Leben ist mehr als interessant. Die Geschichte lässt sich wirklich gut lesen, der Schreibstil ist der Zeit angepasst und lässt sich dennoch sehr gut lesen. Die Hitergründe scheinen sehr gut recherchiert. Eva-Isabel Schmift hat es geschafft mich mit ihrer Geschichte um Paracelsus, die Suche nach der menschlichen Seele und die Hexerei/ Ketzerei zu packen. Ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Band der Dilogie, der voraussichtlich nächstes Jahr erschienen wird!

Spannend, gut recherchiert, toller Schreibstil - Paracelsus macht Spaß!

Wertung:

❤❤❤❤

Produktinformation:

Eva-Isabel Schmid - Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele, im November 2020 bei Piper erschienen, 440 Seiten, 18,00 €

Freitag, 27. April 2018

Sergio Bambaren - Der kleine Fuchs und der Träumer

Sergio Bambaren - Der kleine Fuchs und der Träumer

Ein kleines aber feines Buch über die Liebe zu den Tieren und der Natur


Inhalt (lt. Verlag):
Als dem Träumer klar wird, dass sein iPhone und der Stress der Großstadt zunehmend sein Leben beherrschen, baut er sich ein kleines Haus an einem verlassenen Strand, das er sein »Fenster zur Sonne« nennt. Ein Heim, in dem alle Geschöpfe willkommen sind. Hier lernt er den Fuchs Cheekee und seine Freunde kennen, die von ihrer Not berichten: der Ameisenbär Anty muss sich in den Abfällen der Menschen seinen Schlafplatz bauen, die Meeresschildkröte Maggie ist durch ein Schleppernetz fast zu Tode gekommen, die Möwe Jonathan ist beinahe durch einen Fischerhaken gestorben und die Krabbe Mr. Crab ist kurz davor, an Motoröl zu ersticken. Cheekee und seine Freunde machen dem Träumer klar, dass die Menschen noch immer die Möglichkeit haben, die Dinge zum Guten hin zu verändern und unserem Planeten zu helfen. Doch dazu brauchen sie zwei Mittel: die Macht der Vergebung und die Musik der Hoffnung.

Meinung:
Von Sergio Bambaren habe ich vor Ewigkeiten "Der träumende Delfin" und auch die Geschichte "Der kleine Seestern" und "Die blaue Grotte" gelesen. Mir haben seine Bücher eigentlich immer sehr gut gefallen und deshalb bin ich froh nun auch "Der kleine Fuchs und der Träumer" gelesen zu haben.

Ich denke, dass das Buch autobiografisch sein soll. Denn der Name seiner Frau stimmt und anscheinend hat er sich zum Schreiben ganz zurückgezogen und lebt den Minimalismus, den er den Menschen in seinen Büchern aufzeigt. Kein Übermaß an allem und der Natur nur abtrotzen, was man wirklich benötigt.
Auch hier zeigt er das ganz klar, bzw. der kleine Fuchs "Cheekee" und seine Freunde. Der Träumer nimmt jedes Tier auf, was Hilfe braucht und Schutz. er und seine Frau Ecaterina helfen einer Schildkröte, die in einem Schleppnetz festhängt, lassen eine kleine Maus bei sich wohnen, helfen einer Möwe voller Angelhaken oder aber waschen die verölten Augen kleiner Taschenkrebse aus.

Alles kleine Situationen, die in diesem kleinen Büchlein erzählt werden. Ein kleines Buch mit großem Inhalt. Die Natur will von den Menschen eigentlich schon nichts mehr wissen, weil wir sie immer weiter ausbeuten und zerstören. Mutter Erde und Vater Ozean stehen kurz davor mit ihren egenschlägen, den Mensch auszurotten, denn die Erde kann ohne uns existieren - wir aber brauchen die Erde zum Leben!

Ein warmes und wahres Buch über den schlechten Umgang und Missbrauch unserer Natur. Ein Buch, dass uns aufwecken soll, die Natur und deren Lebewesen zu achtenund zu schützen und nicht mehr zu nehmen, als wir zum Leben brauchen!

Danke für diese Geschichte lieber Träumer, lieber Cheekee, lieber Anty, lieber Fabian, liebe Maggie und auch all ihr anderen Lebewesen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Produktinformation:
Sergio Bambaren - Der kleine Fuchs und der Träumer, im März 2018 bei Pendo erschienen
80 Seiten, 12,00 €

Freitag, 27. Oktober 2017

Nicolas Barreau - Das Cafe der kleinen Wunder

Nicolas Barreau - Das Café der kleinen Wunder

Leiser schöner Roman für kalte Herbsttage


Klappentext:
Die 25-jährige Nelly leidet unter Flugangst, glaubt an Zeichen und ist nicht der Typ, der einfach so alle Ersparnisse abhebt, sich eine teure rote Handtasche kauft und an einem kalten Januarmorgen Hals über Kopf Paris verlässt, um nach Venedig zu reisen. Doch manchmal geschehen Dinge im Leben. Dinge wie ein schwerer Liebeskummer und ein rätselhafter Satz in einem alten Buch. Und manchmal muss man eben erst den Boden unter den Füßen verlieren, um im siebten Himmel anzukommen....

Meinung:
Barreau ist für viele Leser der Schriftsteller von romantischen Büchern schlecht hin, aber ich muss zugeben, dass ich bisher noch kein Buch von Barreau gelesen habe. Dennoch hat mir nun "Das Café der kleinen Wunder" gut gefallen, auch wenn es nicht (mehr) mein typisches Genre ist.

Allem voran hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen - und ich kann verstehen, dass viele Menschen darauf warten, dass ein neues Buch von ihm erscheint. Wenn man die erste Seite aufschlägt und beginnt zu lesen, dann ist seine Art zu schreiben sehr weich und samtig und man kann sich relativ schnell in die Geschichte fallen lassen.

Natürlich darf neben dem Herzschmerz und der Liebe auch der humoristische Part nicht zu kurz kommen und auch darauf versteht sich Barreau wirklich wunderbar - grade zu Anfang die Szenen mit Sean sind sehr humorvoll - auch seine Art zu sprechen.

Und dann wird auch noch das Fernweh gepackt, geht es doch in zwei bezaubernde Städte, die für die Liebe stehen - von Paris nach Venedig. Man beginnt zu träumen oder in Erinnerungen zu schwelgen.

Mir hat "Das Café der kleinen Wunder" wirklich gut gefallen, obwohl es für mich nicht genretypisch ist. Es ist ein kleines, feines Buch zum hineinkuscheln!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Produktinformation:
Nicolas Barreau - Das Café der kleinen Wunder, im Oktober 2017 im Piper Verlag erschienen
368 Seiten, 10,00 €

Sonntag, 8. Februar 2015

Rezension: John Boyne – Haus der Geister

John Boyne – Haus der Geister

Eine Spukgeschichte aus dem England des 19. Jahrhunderts

Warum wollte ich das Buch lesen? Nachdem ich das Hörspiel „Das Durchdrehen der Schraube“ aus der Reihe des Gruselkabinetts gehört habe, bin ich für Geschichten dieser Art sehr offen und da John Boyne ja auch ein bekannter und geschätzter Autor ist, dachte ich mir, dass ich da ja nun wirklich nichts verkehrt machen kann. Das neblige und geisterhafte Cover hat mich natürlich auch sehr angesprochen.

Inhalt:
Nach dem Tod ihres Vaters reist die junge Eliza Caine in die englische Grafschaft Norfolk, um dort eine Stelle als Gouvernante anzunehmen. Doch schon am Bahnhof angekommen beschleicht sie das erste Mal ein komisches Gefühl und es wird immer mysteriöser. Denn als sie Gaudlin Hall betritt findet sie weder Eltern noch andere Erziehungsberchtigte für die Kinder Isabelle und Eustace vor. Was sie aber sehr schnell merkt ist, dass sie nicht alleine mit den Kindern in dem Haus ist. Eine dunkle Macht scheint umzugehen.

Meinung:
Ich habe bisher noch kein Buch von John Boyne gelesen und so liegt also auch „der Junge im gestreiften Pyjama“ tatsächlich noch auf meinem SuB – aber vielleicht ist es so besser gewesen. So konnte ich ohne irgendwelche Erwartungen an „Haus der Geister“ herangehen – und es hat sich für mich gelohnt, denn uns erwartet eine wirklich schaurig-schöne Geschichte, bezaubernd gemalt mit Worten, die genau aus dem 19. Jahrhundert zu stammen scheinen. Und ich finde, dass es wirklich ein Talent ist so atmosphärisch und passend zu schreiben.

Es ist ein Buch das berührt und begeistert und eine Geschichte, die immer weiter Stück für Stück aufgedeckt wird. Ich habe mit den Kindern mitgefühlt, deren Eltern sie anscheinend sich selbst bzw. verschiedenen Gouvernanten überlassen und genauso habe ich mit Eliza gelitten, die immer wieder von dieser dunklen Macht – einem Spuk – heimgesucht bzw. angegriffen wird. Niemals hätte Eliza erwartet so etwas in ihrem jungen Leben zu erleben. Und auch eine tragische Liebesgeschichte rührt ein wenig an das Leserherz!

Eine wundervolle Spukgeschichte mit tollen Charakteren und einem eindrucksvollen alten Herrenhaus als Haupthandlungsort – wer Spukgeschichten mag wird „Haus der Geister“ lieben!

Samstag, 3. August 2013

Rezension: Thomas Elbel - Elysion

Thomas Elbel - Elysion

Eine spannende und düstere Zukunftsvision

Inhalt:
Die Welt ist nicht mehr die, die sie mal war. Nach dem letzten Bürgerkrieg haben die Menschen sich in zwei Lager aufgeteilt. Die Gruppe der Stadtbewohner lebt in der Stadt und kämpft jeden Tag wieder neu ums überleben, und die andere Gruppe, die Einwohner Elysions Leben unter der Herrschaft des Pontifex. Wer sich dem Pontifex widersetzt, muss mit der Rache der Malachims rechnen. Doch auch die sind nicht sicher, gibt es doch Menschen wie Cooper, die diese Wesen jagen um Teer aus ihnen zu gewinnen...

Meinung:
„Elysion“ ist das erste Buch, dass ich von Thomas Elbel gelesen habe. Und ich finde, dass er hier eine absolut spannende Geschichte erschaffen hat. Sein Schreibstil ist sehr gradlinig. Er beschreibt die Welt der Zukunft ohne Schnörkel. Kalt, grausam und hart ist der Kampf um das Überleben in der Zukunft und genau das wird dem Leser auch vermittelt. Für zarte Seelen könnte es manchmal etwas zu viel werden, aber ich fand es im großen und ganzen doch sehr stimmig.

Düstere Zukunftsvisionen sind nun ja schon lange ein Trend auf dem Buchmarkt und immer wieder fühlen wir uns zu diesen Büchern hingezogen. Die Frage wieso es so ist, kann ich immer noch nicht beantworten – außer vielleicht das gute Gefühl zu wissen, dass es noch lange nicht so ist, wenn man ein Buch beendet. Aber es ist auch jedes mal aufs neue spannend wie unterschiedlich die Autoren ihre Welten gestalten, so auch hier Thomas Elbel.

Aber wieder zurück zu „Elysion“. Geschickt baut der Autor Spannung auf, die sich immer weiter steigert, bis man dann atemlos die letzten Seiten des Buches umblättert. Es ist ein bisschen wie eine Schnitzeljagd. Stück für Stück bekommt man Informationen über Cooper, den Pontifex, die Malachim und die anderen Protagonisten und man will als Leser einfach wissen, wie es weitergeht und was es noch zu entdecken gibt.

Auch die Charaktere sind sehr schön gezeichnet und ausgearbeitet, auch wenn man den meisten wahrscheinlich nicht in seinem Leben begegnen will. Die Idee mit den Malachim und ihrem Ursprung finde ich sehr gelungen.

„Elysion“ ist ein spannendes und sehr dunkles Zukunftszenario! Wer Spannung, Action und Thrill liebt wird mit diesem Buch goldrichtig liegen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung und die schöne leserunde bedanke ich mich ganz herzlich bei Thomas Elbel, dem Piper Verlag und Lovelybooks!

Produktinformation:
Thomas Elbel - Elysion, im April 2013 bei Piper erschienen
480 Seiten, 9,99 €

Sonntag, 26. Mai 2013

Rezension: Marc Ritter - Josefibichl

HerrgottschrofenMarc Ritter - Josefibichl

Ein neuer Fall für Karl-Heinz „Gonzo“ Hartinger

Inhalt:
Beim Joggen kommt Gonzo in der Nähe des Herrgottschrofens vorbei. Dort soll bald ein für den Tourismus wichtiger Tunnel entstehen. Doch ob das so bald geschieht noch in den Sternen, als der ehemalige Polizeireporter Gonzo in der Baugrube menschliche Knochen entdeckt. Ein Kampf entbrennt, in dem es heißt: Wahrheit und Aufklärung oder Geld und Macht!

Meinung:
Den sympathischen ehemaligen Polizeireporter Gonzo Hartinger konnte ich letztes Jahr schon in seinem ersten Fall „Josefibichl“ kennenlernen. Und so hat ich wirklich Freude daran, wieder auf Gonzo und sein Umfeld zu treffen und das Rätsel um die Knochen zu lösen. Doch leicht wird es ihm dieses Mal natürlich auch nicht gemacht.

Marc Ritters Schreibstil ist wieder sehr gut und leicht zu lesen. Es macht Spaß wieder mit Gonzo zu ermitteln, auch wenn es nicht ungestraft bleibt, dass er sich in die Angelegenheiten der Großunternehmer und der Politiker einmischt. Denn nachdem Gonzo mit Hilfe der Münchener Rechtsmedizin herausfindet, dass es sich nicht um einen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg, sondern um die Knochen einer Frau handelt und somit ermittelt werden muss, wird der für den Tunnelbau unliebsame Gonzo, nach dem auffinden einer zweiten Leiche in Untersuchungshaft genommen. Seine Freunde und seine neue Gespielin müssen einiges an Tatkraft aufbringen um Gonzos Unschuld zu beweisen.

„Herrgottschrofen“ ist ein wunderbarer Regionalkrimi, der durch Lokalkolorit und Humor zu überzeugen weiß. Interessant sind die historisch gegeben Tatsachen, zum Beispiel die Garmisch Partenkirchener Eisrevue, die gekonnt in die Geschichte hinein gewoben werden!
Auch haben mir die „literarischen Giftpfeile“ auf korrupte Politiker und Großunternehmer wieder sehr gut gefallen!

Ich bin jetzt schon gespannt, mit welchen Intrigen es Gonzo in seinem nächsten Fall zu tun haben wird – bitte schnell Nachschub!
Freunde von gut durchdachten und humorvollen Regionalkrimis sollten unbedingt Marc Ritters Krimis um seinen Ermittler Gonzo Hartinger lesen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Produktinformation:
Marc Ritter – Herrgottschrofen, im März 2013 im Piper Verlag erschienen
352 Seiten, 9,99 €



Dienstag, 2. April 2013

Rezension: Nicola Förg - Platzhirsch

Nicola Förg - Platzhirsch

Spannender und absolut kurzweiliger Alpenkrimi

Inhalt:
 "Dort lag Regina von Braun. Ihre ausgesprochen blauen Augen schienen verwundert ins Leere zu starren. Sie war blass, und ihr langes dunkles Haar war auf den Holzschnitzeln ausgebreitet. Aus einer Schusswunde an der Stirn trat Blut aus. Das kalkweiße Gesicht, das Haar wie Ebenholz, das rote Blut - eine tote Märchenfrau."
(S. 18)

Regina von Braun, Biologin, Jägerin und Initiatorin des Walderlebniszentrums, wird tot in einem Stall aufgefunden. Erschossen! Die Ermittlerinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl bekommen es jetzt mit einem spannenden Fall zu tun, denn Regina von Braun hat sich zu Lebzeiten wirklich viele Feinde mit ihrem Einsatz für Natur und Wild gemacht. Sie nutzte Worte wie Waffen und so einige Menschen haben sich auf die Füße getreten gefühlt....

Meinung:
"Platzhirsch" ist mein erster Alpenkrimi der Autorin Nicola Förg. Da mich Fredrika Gers mit "Die Holzhammer-Methode" so von sich begeistern konnte, dachte ich, dass ich Frau Förg nun auch eine Chance geben kann - und ich habe es wirklich nicht bereut.

Der Schreibstil ist im großen und ganzen angenehm. Man kann gut in das Buch einsteigen und findet ziemlich schnell in den Mordfall an Regina von Braun hinein. Im großen und ganzen heißt aber auch, dass mich etwas gestört hat und das war an manchen Stellen die Mundart. Jetzt werden einige sagen oder denken, dass ist doch wohl klar, es ist ein Regionalkrimi und das gehört dazu. Richtig - sehe ich auch so! Nur an manchen Stellen hat es so überhand genommen, dass ich nur noch Bahnhof verstanden habe. Und das Glossar mit den "Übersetzungen" habe ich erst entdeckt, als ich das Buch ausgelesen hatte.
Aber ansonsten war ich wirklich nur begeistert von der Geschichte um die Ermittlerinnen Irmi und Kathi und Nicola Förgs Arbeit als Autorin.

Auch die Charaktere haben mich beeindruckt, sie sind so schön farbenfroh und detailliert ausgearbeitet, dass es wirklich Spaß macht, sie nach und nach kennenzulernen und einzuschätzen, auch wenn ich manches mal ein wenig schief Lag.
Irmi und Kathi verstehen sich nicht immer gut und sind auch nicht immer einer Meinung, dennoch arbeiten sie als Team, trotz einiger Differenzen, sehr gut zusammen und sind füreinander da, wenn es notwendig ist.
Irmi habe ich etwas mehr ins Herz geschlossen, sie ist nicht so kratzbürstig und man erfährt in "Platzhirsch" auch einach mehr über sie - sie wirkt etwas realer als ihre Kollegin.

Was mir besonders gut gefallen hat, war die Verbindung von einem historischen Teil und der Gegenwart, ein spannendes Familiengeheimnis was es aufzudecken gilt. Mit Hilfe eines alten Tagebuchs erfahren wir von einem der letzten Schwabenkinder und was es bei seinen Arbeitgebern alles über sich ergehen lassen musste und je tiefer man in das Buch versinkt um so spannender wird die Geschichte und man kann es fast nicht mehr aushalten, bis die Auflösung zum greifen nah ist.

"Platzhirsch" hat mich wirklich von sich begeistert, hat mich in die Berge entführt und an einem spannenden Geheimnis und der Aufklärung eines Mordes teilhaben lassen! 
Liebe Nicola Förg, bitte schreiben Sie weiter, so tolle Bücher - ich werde sie lesen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereiststellung bedanke ich mich ganz herzlich beim Pendo Verlag und Nicola Förg!

Produktinformation:
Nicola Förg - Platzhirsch, 2013 im Pendo Verlag erschienen,
320 Seiten, 14,99  €

Info zur Mangold-Reihe:
1. Tod auf der Piste
2. Mord im Bergwald
3. Hüttengaudi
4. Mordsviecher
5. Platzhirsch

Montag, 28. Januar 2013

Rezension: Nicole Joens - Maria sucht Josef

Nicole Joens - Maria sucht Josef
Eine weihnachtliche Liebesgeschichte

Weihnachts-Wundergeschichte 

Inhalt:
Miriam hat nach dem Unfalltod ihrer Schwester das Sorgerecht für ihre beiden Kinder bekommen und nun ist sie selbst auch noch hochschwanger und hat keinen Pfennig mehr in der Tasche. Glücklicherweise nimmt sie der Taxifahrer Joe trotzdem mit und damit beginnt für alle eine spannende und wunderliche Reise....

Meinung:
"Maria sucht Josef" ist mein erstes Buch von Nicole Joens und es hat mir sehr gut gefallen. Aber als erstes möchte ich sagen, dass das Cover für mich nicht zur Thematik passt, damit sich Leser, die eine eher seichte Geschichte suchen, sich hier nicht "vergreifen", denn "Maria sucht Josef" mag einiges sein, aber es ist kein seichtes Buch für zwischendurch.

Nicole Joens Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen. Sie beschreibt die Situation in der sich Miriam mit ihren "Kindern" befindet sehr detailliert und schönt nicht - aber was sollte man auch an solch einer Situation schön reden können. Zwei Kinder, eines ungeboren im Leib und keinen Plan davon wie es weitergehen soll. jetzt fragt ihr euch bestimmt wieso, es dann eine "weihnachtliche Liebesgeschichte" oder aber eine "Weihnachts-Wundergeschichte" sein soll.
Und da ist die Antwort wieder etwas einfacher, zwischenmenschliche Beziehungen und vor allen Dingen das Schicksal sorgen hier für ein Wunder und zeigen auf, dass Geld zwar wichtig ist, es aber noch viel viel wichtigere Dinge gibt, die man zum Leben braucht.

Aber machen wir und nichts vor, trotz allem ist der Großteil dieser Geschichte schon sehr traurig und stimmt den Leser nachdenklich. Miriram, die natürlich auch mit dem Tod ihrer Schwester und deren Mann zu kämpfen hat, hat plötzlich auch noch so viel Verantwortung zu tragen für die Kinder, sich und das Ungeborene. Und sie scheint nicht immer fähig dies so anzunehmen und so zu handeln, sie driftet in Traumwelten ab und die Kinder müssen viel mehr Verantwortung übernehmen, als gut ist und schon viel zu früh erwachsen werden. Eine Geschichte, wie sie sich ähnlich vielleicht in vielen deutschen Haushalten abspielen könnte und dennoch gibt diese Geschichte uns Hoffnung und zeigt, dass sich alles verändern kann und dass jeder Mensch auch mal einen Glücksgriff hat!

"Maria sucht Josef" ist eine nachdenklich stimmende Weihnachtslektüre, die mich fast komplett von sich überzeugt hat. Das einzige was mir nicht so gut gefallen hat, war das Ende und dafür gibt es auch einen Stern bzw. Herz Abzug - dennoch möchte ich euch dieses Buch für die Vorweihnachtszeit gerne ans Herz legen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich bei Nicole Joens und dem Piper Verlag! Außerdem für die tollen Möglichkeiten auch ein Dank an Lovelybooks!

Produktinformation:
Nicoel Joens - Maria sucht Josef, 2010 bei Piper erschienen
352 Seiten, 8,95 €

Donnerstag, 17. Januar 2013

Louise Deacon - Biss zum ersten Kuss

Louise Deacon - Biss zum ersten Kuss
Wie du deinen Jacob oder Edward fürs Leben findest

Ein psychologischer Ratgeber, der höchstens für Teens geeignet ist

Meinung:
In dieser Rezension starte ich direkt mal mit meiner Meinung, da ich bei einem Sachbuch nicht unbedingt allzuviel zu seinem Inhalt schreiben kann bzw. es in diesem Fall auch direkt mit meiner Meinung zusammenhängt.

Ein psychologischer Ratgeber, der sich mit dem Twillight-Hype und der Sehnsucht nach Vampiren bzw. Werwölfen beschäftigt, klang für mich sehr interessant und somit durfte dann mit ein wenig Glück dieses Buch bei mir einziehen.

Als erstes komme ich jetzt zum positiven. Louise Deacons Schreibstil ist sehr flüssig und einfach zu lesen, so dass man sich zumindest nicht durch das Buch quälen muss - auch ihre Gedankengänge sind in Teilen nachvollziehbar.

Und jetzt kommt direkt mal, was mich ein wenig stört, zum einen erscheint es einem als Leser so, dass sie ihre Thesen, in diesem Fall ihre Twillight-Geheimnisse, immer sehr ähnlich und kaum abweichend sind. Ganz oft habe ich mir beim gelesen gedacht: "Habe ich das nicht eben erst gelesen?"  Und das sollte nicht sein.
Ebenfalls störend empfinde ich ihre Beispiele, die wohl der Realität entsprechen, und von Mädchen und jungen Frauen handeln, die ihre Beziehungen mit guten Männern beenden, weil sie die Gefahr suchen, im übertragenen Sinne also lieber den Vampir oder Werwolf als Partner möchten.
Oder aber, ihren Partner nicht mehr wollen, weil er sie nicht so selbstlos liebt wie Edward seine Bella.

Von daher denke ich, dass die Zielgruppe für dieses Buch wirklich schon eher Teenie-Mädels sind, deren Twillight Fanatismus schon krankhaft ist, denn eine normale Frau mittleren Alters wird doch nicht eine Beziehung aufgeben, weil er nicht ist wie Edward oder so schön gebaut wie Jacob.
Auch sind viele Ratschläge der Autorin einfach Dinge, die man im Laufe seines Lebens lernt und lernen muss und das passiert meistens in dem man Fehler macht und auch das gehört nun mal zum Leben dazu.

Also liebe junge Mädels (ich hoffe es gibt nicht allzu viele von euch) Edward und Jacob sind Fantasiegstalten, die es so im richtigen Leben niemals geben wird - natürlich ist es schön sich ihre Makellosigkeit anzuschauen oder auch Stephanie Meyers wundervolle Bücher zu lesen, aber ihr werdet bestimmt auch glücklich mit einem "normalen" Mann an eurer Seite - die anderen schaut ihr euch dann einfach ab und an mal im Fernseher an!

Wertung:
♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich bei Louise Deacon, dem Piper Verlag und wie immer auch Lovelybooks!

Produktinformation:
Louise Deacon - Biss zum ersten Kuss: Wie du deinen Jacob oder Edward fürs Leben findest, aus dem Englischen von Henriette Zeltner, 2012 im Piper Verlag erschienen
408 Seiten, 9,99 €

Sonntag, 1. Juli 2012

Rezension: Kerstin Schweighöfer - Auf Heineken könn wir uns eineken

Kerstin Schweighöfer - Auf Heineken könn wir uns eineken

Eine Deutsche in ihrer neuen Wahlheimat: Holland

Inhalt:
"Ungläubig guckten mich allen an."Wat zeg je daar? Selbst gebacken?!", riefen sie zu sechst im Chor, und angesichts ihres großen Erstaunens begann ich zu ahnen, dass es mit den Backkünsten der Niederländerinnen nicht weit her sein konnte. Jedenfalls stärkte mein Marmorkuchen nicht nur unversehens den Ruf deutscher Frauen, wahre Künstlerinnen am Rührbesen zu sein, er entpuppte sich auch als wahrer Türöffner in die Herzen meiner neuen Nachbarn."
(S. 52)

Kerstin träumt von Frankreich, einem Jean-Louis oder Jacques und Spaziergängen an der Seine. Doch dann sollte alles ganz anders kommen. Anstatt Jean-Louis kann Jan Kees ihr Herz erobern und aus Frankreich wurde kurzerhand Holland. Eine Geschichte von der Liebe zu einem Land und seinen Einwohnern!

Meinung:
Kerstins Schreibstil ist angenehm, humorvoll und frei von der Leber weg - und so lässt sich "Auf Heineken könn wir uns eineken" sehr gut lesen.
Der Lesefluß wird zusätzlich auch noch durch die kurzen Kapitel gefördert.

Eigentlich müsste man ja sagen, dass man ein Landesporträt zur Hand nimmt. Aber durch Kerstins offene und humorvolle Art, wirkt es eher wie ein humorvoller Gegenwartsroman.

Mir persönlich hat "Auf Heineken lönn wir uns eineken" sehr gut gefallen. Es war nicht nur unterhaltsam, was die Verständigungsprobleme oder sprachlichen Fettnäpfchen angeht oder die typischen Klischees, die wir Deutschen über die Holländer haben, sondern auch sehr lehrreich.
Viele Details zur Geschichte, der Kolonialzeit oder die Blüte der Seefahrtsgesellschaft, aber auch zur Politik Hollands konnte ich einiges lernen und mitnehmen.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Liebe zu Holland und Kerstins neuen Freunden und Nachbarn, die deutlich zu spüren ist. Ich werde Holland von nun an mit ganz anderen Augen sehen - und hoffe, dass ich bald die Möglichkeit habe, dieses kleine aber feine Nachbarland zu besuchen.

Ein wundervolles und humorvolles Buch, dass uns unsere Nachbarn näher bringt und bestimmt für alle Holland-Urlauber eine Bereicherung sein wird - denn grade regelmäßige Urlauber, werden vielleicht die ein oder andere ähnliche Situation schon erlebt haben!

Mir bleibt nun nichts anderes übrig als auf ein neue Geschichte aus Kerstins Feder zu warten - am besten noch ihre eigene!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung herzlichen Dank an Kerstin Schweighöfer und den Piper Verlag! Für die Möglichkeit dieser tollen Leserunde geht wie immer auch ein Dank an Lovelybooks!

Produktinformation:
Kerstin Schweighöfer - Auf Heineken könn wir uns eineken, März 2012 im Piper Verlag erschienen
352 Seiten, 9,99 €

Hier kommt ihr zur LB-Seite des Buches!




Dienstag, 22. Mai 2012

Rezension: Niccolo Ammaniti - Du und ich

Niccolo Ammaniti - Du und ich

Eine gefühlvolle Geschichte über das Erwachsen-Werden

Inhalt:
"Ich hatte erwartet, dass Olivia hässlich wäre und ein unsympathisches Gesicht hätte wie die Steifschwestern in Aschenputtel. Doch ganz im Gegenteil: Sie war unglaublich schön, eines jener Mädchen, bei denen du, sobald du sie ansiehst, knallrot wirst und jeder merkt, dass du sie schön findet, und wenn sie was zu dir sagt, weißt du nicht, was mit den Händen tun, du weißt nicht mal, wie du sitzen sollst."
(S. 72)

Lorenzo ist ein Einzelgänger. Er hält nicht viel von seinen Klassenkameraden und hat kaum soziale Kontakte. Seiner Mutter bereitet es Sorgen. Um sie glücklich zu sehen erzählt Lorenzo ihr, dass ein Mädchen aus seiner Klasse ihn in den Skiurlaub eingeladen hat - und für ihn gibt es keinen Ausweg aus dieser Lüge...

Meinung:
Ammanitis Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Er beschreibt die Erinnerungen von Lorenzo an die Begegnung mit seine Halbschwester Olivia sehr detailliert, beinahe plastisch.
Eine Begegnung, die von einer Vielfalt an Emotionen geprägt ist, die Ammaniti den Leser scheinbar ohne Mühe spüren lässt.

"Du und ich" ist eine Geschichte, die berührt, aufwühlt und einen am Ende traurig zurücklässt. Traurig, obwohl dieses Begegnung für Lorenzo und sein weiteres leben sehr wichtig ist.

Über Olivia wird in Lorenzos Gegenwart höchstens geflüstert, er soll nichts von den Gesprächen seiner Eltern mitbekommen. Was ist der Grund dafür?
Nachdem Lorenzo seiner Mutter die Lüge mit dem Skiurlaub aufgetischt hat, muss er sich nun ein Versteck einrichten. Der Keller scheint genau der richtige Ort zu sein, ausgestattet mit Fernseher, Spielkonsole, Büchern und Nahrungsmitteln kann sein ganz persönlicher Urlaub beginnen. Doch mit der Ruhe ist es schnell vorbei als Olivia bei ihm auftaucht, auf der Suche nach Geld.
Sie bringt ihn zum rasen, macht ihn so wütend, dass er sie am liebsten zum Teufel schicken würde - und dann denkt er um. Er bemerkt wie zerbrechlich seine große Halbschwester ist und möchte ihr dabei helfen aus ihrer persönlichen Hölle auszubrechen.
Lorenzo wächst mit seinen vierzehn Jahren über sich hinaus und übernimmt Verantwortung für einen anderen Mensch.

Wenn ihr wissen wollt, was es mit der Begegnung von Lorenzo und Olivia auf sich hat und wie die gemeinsame Zeit der ungleichen Geschwister verläuft solltet ihr "Du und Ich" lesen!

Niccolo Ammaniti ist ein Meister des Wortes und der Emotionen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich bei Academic World!

Produktinformation:
Niccolo Ammaniti - Du und ich, übersetzt von Ulrich Hartmann, 2012 im Piper Verlag erschienen
160 Seiten, 14,99 €

Montag, 16. Januar 2012

Rezension: Thilo Corzilius - Ravinia

Thilo Corzilius - Ravinia


Die Geheimnisse der düstergoldenen Stadt

Klappentext:
Was wäre, wenn dich ein einziger Schlüssel überall hinbringen könnte? An ihrem sechzehnten Geburtstag erhält Lara einen Schlüssel, der sie in die Victoria Street in Edinburgh führt - egal durch welche Tür sie tritt. Bald merkt dass junge Mädchen, dass der Schlüssel auch das Tor in eine andere Welt öffnet. In der Stadt Ravinia, in der magisch talentierte Wesen ebenso wie Traumtänzer zu hause sind, lernt Lara ihre Vergangenheit kennen und erfährt dabei von einer mysteriösen Verschwörung . Sie selbst muss über das Schicksal Ravinias entscheiden. gemeinsam mit dem geheimnisvollen Schlüsselmachergesellen Tom versucht Lara, Ravinia vor dem Untergang zu bewahren...

Inhalt:
"So sah Lara zum ersten Mal die Stadt Ravinia. Nicht ihre Straßen und Gassen mit den uralten wispernden Häusern. Darauf hatte sie im Laufe des Vormittags den einen oder anderen Blick erhaschen können. Nein, diesmal sah sie die Seele der Stadt. Das Sonderbare, das Magische, das Zauberhafte. Das Ulkige, das Urige, das unendlich Schöne. Und natürlich das Verrückte das Irre und das Düstere.
Die Seele einer Stadt."

Lara McLane lebt mit ihrem Großvater Henry zusammen in Edinburgh. Ihr Großvater ist der einzige lebende Verwandte, den sie noch hat - ihre Eltern und ihre Großmutter sind umgekommen, als sie noch ein Baby war. Ihr Leben ist normal und bodenständig, bis sie zu ihrem sechzehnten Geburtstag einen geheimnisvollen Schlüssel erhält -er bringt sie in die Victoria Street zum dem Laden des Schlüsselmachers Balthasar Quibbes. Und dort beginnt dann das Abenteuer, in dem Lara Dinge über sich und ihre Vergangenheit lernt...

Meinung:
Thilo Corzilius schafft es den Leser blitzschnell mit Hilfe seines Schreibstils und seiner Phantasie nach Ravinia zu zaubern und an die düstergoldene Stadt zu fesseln.
Sein Schreibstil ist wirklich traumhaft, er beschreibt mit einer unglaublichen Liebe zum Detail seine Handlungsorte, die Situationen und Gegebenheiten und natürlich auch die Charaktere. Er spielt nicht nur mit Worten, sondern mit ganzen Sätzen - so taucht zum Beispiel immer wieder der Satz "Die Welt ist ein Verräter" auf. Vielen Lesern war das zu viel, aber für mich war es einfach passend und stimmig. Auch die Umschreibung "düstergolden" taucht immer wieder auf, und auch dieses passt, denn Ravinia ist eine Stadt der Gegenteile. Hell und dunkel, Gut und Böse, Vertrauen und Verrat. All das und noch viel mehr trifft aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verwoben zu einer eindrucksvollen und magischen Geschichte.

Ravinia mit seinen geheimen Gilden und den verwunschen anmutenden Orten wird von ebenso wundervollen Protagonisten bevölkert. Charaktere, die uns erfreuen, zum staunen bringen oder bei uns eine Gänsehaut hinterlassen. Und viele sorgen auch für offene Fragen und wecken die Neugierde des Lesers die Geschichte hinter diesem Protagonisten zu erfahren.
Laras und Lees Geschichte konnten wir nun zum teil schon kennenlernen und ihre Vergangenheit liegt nicht mehr so ganz im Dunkeln. Aber zum Beispiel wissen wir von Tom Truska noch sehr wenig. Wer ist dieser dunkle, junge meistens sehr reservierte Mann?

Auch die Gestaltung des Buches ist ein Traum. Auf dem Cover sehen wir die Umrisse der Stadt und Raben, die im Mondschein fliegen. Aber auch die Innegestaltung ist sehr hübsch. Wir finden zu Beginn eine Karte Ravinias und jedes Kapitel wird mit einer kleinen Beschreibung und einem Zitat begonnen, zusätzlich finden wir die Raben als Absatzmarkierungen wieder.

"Ravinia" ist ein wirklich gelungener Auftakt der Reihe um Lara, Tom und ihre Freunde, der mit Phantasie, Magie und innovativen Ideen aufwartet! Thilo Corzilius ist für mich ein neuer Stern am deutschen Fantasyhimmel!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung und die schöne Leserunde bedanke ich mich ganz herzlich bei Thilo, dem Piper Verlag und Lovelybooks!

Produktinformation:
Thilo Corzilius - Ravinia, erschienen 2011 im Piper Verlag
400 Seiten, 12,95 €

Freitag, 13. Januar 2012

Rezension: Marc Ritter - Josefibichl

Marc Ritter - Josefibichl


Heimatroman meets Krimi

Klappentext:
In Garmisch-Patenkirchen rumort es gewaltig: Die Olympischen Winterspiele entzweien den Ort, Waldbesitzer Veit Gruber bereitet einen Riesendeal vor. Bürgermeister Hans W. Meier hat seine ganz eigenen Pläne. Und auch der ehemalige Polizeireporter Karl-Heinz Hartinger ist wieder da, der seit seiner Jugend als jähzorniger Gerechtigkeitsfanatiker gilt. Als junger Mann verließ er über Nacht den Ort. In derselben Nacht ging das Auto des Kaplans in Flammen auf. Als nun zwanzig Jahre später ausgerechnet Hartinger den erdrosselten Franziskanerpater Engelbert auf dem heiligen Josefibichl auffindet, steht für die Garmisch-Patenkirchener Polizei der Hauptverdächtige schnell fest. Hartinger hat nur eine Chance: Er muss selbst den Täter finden...

Inhalt:
"Der wichtigste Unterschied zu seiner Phantasie bestand jedoch in etwas anderem. In seinem Kopf war es immer eine Tote, eine Ermordete gewesen, die ihm beim Laufen den Weiterweg versperrte. Nackt, vergewaltigt, mit dem Messer kreuz und quer aufgeschlitzt. Doch dort lag keine geschändete Frau."

Karl-Heinz "Gonzo" Hartinger kehrt nach Jahren wieder zurück nach Garmisch-Patenkirchen. Aber Ruhe ist ihm nicht gegönnt, denn schon nach kurzer Zeit stößt er beim Joggen auf die Leiche eines Franziskanerpaters - und dass wo doch halb Garmisch-Patenkirchen weiß, dass er es mit Kuttenträgern nicht so hat. Kein Wunder, dass er direkt verdächtigt wird...

Meinung:
"Josefibichl" ist der erste Krimi von Marc Ritter mit dem Expolizeireporter "Gonzo" Hartinger.
Marc Ritters Schreibstil ist leicht zu lesen und sehr eingängig. Er beschreibt die Situationen und Handlungen der Protagonisten sehr detailliert und bildhaft - ein manchmal mehr, manchmal weniger blutiges Alpenpanorama.
Natürlich finden wir in diesem Roman auch die in der Gegend gängige Mundart wieder, viele Literaturkritiker verteufeln ja diese Art der "platten Unterhaltung mit Dialekt" - aber ich finde, dass der Lokalkolorit und die Mundart den Roman samt seinen Darstellern liebenswürdiger macht und uns als Lesern so einfach näher gebracht wird.

Der Spannungsaufbau wirkt nicht immer sehr gelungen, manchmal bekommen wir ein Häppchen Information vorgeworfen, dann passiert über eine Weile sehr wenig - und dann lockt uns Herr Ritter erst einmal auf eine ganz falsche Fährte. Und das wiederrum ist gut so, denn es gibt einfach zu viele Bücher, wo wir schon ziemlich direkt wissen, wie sie enden. Aber das kann uns beim "Josefibichl" nicht passieren, denn das Ende bringt eine wirklich gelungene und düstere Auflösung mit sich.

Die Protagonisten können den Leser von sich überzeugen - an machen von ihnen haftet ein wenig Kleinstadtmief, andere bringen uns zum lachen und Gonzo Hartinger hat mich persönlich wirklich oft dazu gebracht mir die Haare zu raufen - aber Männer denken halt ganz anders als Frauen.

Wenn man sich das Cover anschaut, muss man an einen blutigen Heimatroman denken - wobei die gängigere Bezeichnung ja eher Regionalkrimi ist - also Freunde des Regionalkrimis, lernt Gonzo kennen und bezwingt mit ihm den "Josefibichl"!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich bei Marc Ritter, dem Piper Verlag und Lovelybooks!

Produktinformation:
Marc Ritter - Josefibichl, im November 2011 im Piper Verlag erschienen
304 Seiten, 9,99 €

Zum Autor:
Marc Ritter, geboren 1967 in München, wuchs in Garmisch-Patenkirchen auf, wo er nach dem Abitur Zivildienst machte und für eine Garmisch-Patenkirchener Lokalzeitung über Politik, Sport und Nachtleben berichtete. Zum Studium von Germanistik, Politikwissenschaften und Werbepsychologie sowie einer Marketingausbildung kehrte er nach München zurück. Ritter arbeitete als Manager für große deutsche und amerikanische Print- und Online-Medien und ist seit mehreren Jahren als Unternehmensberater tätig. Er wohnt mit seiner Familie in München. Mit seinem Helden Karl-Heinz Hartinger verbindet ihn die Liebe - und zugleich die gelegentliche Abneigung - zu seinen beiden Heimatorten Garmisch-Patenkirchen und München.

Hier kommt ihr zu seiner Internetseite

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Rezension: Jenk Saborowski - Operation Blackmail

Jenk Saborowski - Operation Blackmail


Rasante Verfolgungsjagd durch Europa

Klappentext:
In Paris wird eine junge Bankangestellte auf offener Straße erschossen, in Bologna stirbt ein ranghoher Mitarbeiter desselben Instituts bei einem Anschlag. Per E.Mail fordern Erpresser 500 Milliarden Euro, sonst werden weitere der 60.000 Mitarbeiter irgendwo in Europa sterben. Ein Fall für die geheime, grenzüberschreitend agierende Eliteeinheit ECSB. Agent Solveigh Lang und ihr Team ermitteln, kompromisslos und mit modernsten Methoden. Als Solveigh erkennt, wie skrupellos und gerissen ihr Gegner wirklich ist, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit.

Inhalt:
"Zu Ihren Bedenken, was die Größe des Teams angeht: Wir arbeiten in unabhängigen Zellen. Jede Zelle besteht nur aus zwei Agenten, die sich gegenseitig in höchstem Maße vertrauen. Einer der beiden recherchiert vor Ort, der andere unterstützt ihn aus der Zentrale."

Mitarbeiter der Eurobank werden in Paris und Bologna durch Anschläge getötet, kurz darauf geht in der Bank eine Erpressermail ein: 500 Millionen € fordern die Erpresser, ansonsten werden weitere Angestellte der Bank ihr Leben lassen müssen...Die ECSB wird von der Kanzlerin unterrichtet und übernimmt diesen Fall. Slang und ihr Team ermitteln in diesem Spiel auf Leben und Tod...

Meinung:
"Operation Blackmail" zu deutsch "Erpressung" ist der Debütroman von Jenk Saborowski - und es ist ein rasantes, gut durchdachtes und lesenswertes Debüt!
Saborowskis Schreibstil ist detailliert, aber nicht zu ausführlich. Er beschränkt sich darauf seinen Lesern, die wichtigen Ereignisse vor Augen zu führen. Ohne Schnörkel werden wir an die Erpressung, die Mordanschläge und die Arbeit der ECSB herangeführt. Rasant, spannend - und ohne Zeit durchzuatmen - erleben wir die Erpressung mit.

Solveigh Lang, Slang, und Eddy, sind die Zelle die der Operation Blackmail zugeteilt werden. Slang ist eine aufmerksame Beobachterin, und sucht geduldig nach jedem noch so kleinen Hinweis auf die Verbrecher, ihr Kollege Eddy ist ein Computergenie. Gemeinsam mit vielen externen Beratern erstellen sie eine Art Täterprofil und müssen feststellen, dass ihre Gegner ihnen in nichts nachstehen. Werden Slang, Eddy und ihr Team die Täter aufspüren können, bevor es zur Katastrophe kommt?

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, und vor allen Dingen Slangs Hintergrund hat mich sehr berührt. Sie ist ein Mädchen von der Straße, dass nichts geschenkt bekommen hat und für alles hart arbeiten musste. Menschen zu vertrauen und sich auf sie einzulassen fällt ihr sehr schwer - ihre ganz besondere Eigenschaft ist unter anderen ihr ausgeprägter Geruchssinn. Aber auch die anderen Charaktere haben wirklich interessante Hintergründe, die es lohnen entdeckt zu werden.

Was mir als Leserin sehr zu denken gibt ist das Zitat von Helmut Kohl (1997), welches Saborowski noch vor Beginn des Romanes anbringt

"Wir können im engen Raum Europa das Unwesen krimineller Banden nur stoppen und nachdrücklich bekämpfen, wenn wir Polizeieinheiten schaffen, die auch juristisch legitimiert sind europaweit handeln zu können."

und die Anmerkung des Autors, dass die Mitarbeiter der Interpol bis heute keine operativen Befugnisse haben. Beängstigend, oder nicht?
Genauso beängstigend, wie für eine Bank zu arbeiten, die mit dem Leben ihrer Mitarbeiter erpresst wird!

Wenn ihr auf rasante, spannende Thriller mit plötzlichen Wendungen (ein paar Überraschungen müssen einfach sein) mögt, kann ich euch "Operation Blackmail" wärmstens empfehlen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Für die schöne Leserunde bedanke ich mich ganz herzlich bei Jenk Saborowski, dem Piper Verlag und last but not least LovelyBooks!

Produktinformation:
Jenk Saborowski - Operation Blackmail, erschienen im August 2011 im Piper Verlag
383 Seiten, 9,95 €

Über den Autor:
Jenk Saborowski, geboren 1977 im Taunus, studierte Publizistik und Germanistik, ging in der Boom-Zeit der New Economy nach New York und lebt heute als Unternehmer, Autor und leidenschaftlicher Hobby-Koch mit seiner Frau in München und Frankfurt. Schon in seiner Jugend begeisterte er sich für neue Technologien und ist seit den frühen neunziger Jahren im Internet und dessen Vorläufern aktiv. Sein Thriller "Operation Blackmail" spielt im Informationszeitalter und an Schauplätzen, die er auf seinen vielen Recherche-Reisen persönlich besucht hat.

Dienstag, 27. September 2011

Rezension: Emma Donoghue - RAUM

Emma Donoghue - RAUM


Ein Buch, dass dich im Innersten berührt...

Klappentext:
Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Und dort versteckt sie ihn im Schrank, wenn Old Nick kommt.

Inhalt:
"Es ist 12:13, also kann jetzt das Mittagessen passieren. Mein Lieblingsteil vom Beten ist das täglich Brot. Beim spielen habe ich zu sagen, aber beim Essen Ma, sie erlaubt zum Beispiel nicht, dass wir zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen immer Cornflakes essen, davon würden wir vielleicht krank, und außerdem wären sie dann zu schnell alle."

Jack und seine Ma leben in RAUM. RAUM ist 12 Quadratmeter groß und bedeutet für Jack die ganze Welt - er kennt nichts anderes, denn er wurde dort geboren. Der einzige Mensch, der ihre Welt betritt ist Old Nick, doch abends wenn er kommt, versteckt Ma Jack ihn im Kleiderschrank...

Meinung:
Emma Donoghue hat mit diesem Roman etwas ganz besonderes erschaffen, besonders aufrüttelnd, besonders ergreifend, besonders emotional.
Die Geschichte wird uns von Jack erzählt, dem 5-jährigen Protagonisten dieser Geschichte. Am Anfang dachte ich, dass es bestimmt langwierig und anstrengend wird 410 Seiten aus der Sicht von "Freund-Fünf" zu lesen. Aber es kam glücklicherweise ganz anders, denn grade die Erzähl- und Sichtweise eines Kindes verleiht diesem Buch einfach eine fühlbare Authentizität.
Und so fliegt man durch diese Geschichte durch, fühlt und leidet mit und entdeckt die Welt ganz neu.

Jack und seine Mutter sind wundervolle Charaktere, die dazu gezwungen sind stark zu sein. Jacks Mum versucht ihm das Leben so normal wie möglich zu gestalten, mit täglichen Ritualen und ihrer bedingungslosen Liebe zu ihrem Kind. Deshalb macht sie sich die Entscheidung Jack von der Welt, die draußen auf beide wartet, zu erzählen auch so schwer. Denn damit bringt sie das ganze Leben des kleinen Mannes durcheinander...

Mehr möchte ich über "RAUM" eigentlich nicht sagen, denn es ist ein Buch, dass man für sich selbst entdecken, ertasten und erfühlen muss. Ein großartiges Buch, dass sich mit einer sehr schweren Thematik befasst - Menschenraub und sexuelle Nötigung, kommen leider noch viel zu oft in unserer Gesellschaft vor.

Das Buch ist eine Hardcoverausgabe, ausgestattet mit einem Lesebändchen. Auf dem Schutzumschlag steht nur das Wort RAUM in einer kindlichen Schrift.

Ein Buch für Menschen, die berührt werden wollen - spannend, ergreifend und gefühlvoll! Für mich ein absolutes Herbst-Must-Read! Unbedingt lesen!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Ich bedanke mich ganz herzlich für das Leseexemplar und die Leserunde beim Piper Verlag und bei Lovelybooks!

Produktinformation:
Emma Donoghue - RAUM, erschienen 2011 im Piper Verlag
416 Seiten, 19,99 €

Zur Autorin:
Emma Donoghue wurde 1969 als jüngstes von acht Kindern in Dublin geboren. Sie studierte in Dublin und Cambridge. Nach einem Aufenthalt in London zog sie 1998 nach Ontario in Kanada, wo sie mit ihrer Lebensgefährtin und ihren beiden Kindern lebt. Emma Donoghue ist Autorin zahlreicher Romane und Erzählungen.