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Samstag, 9. Dezember 2017

Franz Hohler - Das Päckchen

Franz Hohler - Das Päckchen

Ein absolut spannender Roman


Klappentext:
Bibliothekar Ernst lebt sein Leben in geregelten Bahnen. Bis ihn eines Tages der Hilferuf einer unbekannten Frau erreicht - sie vertraut ihm ein Päckchen an, darin ist eine verschollene Handschrift aus dem 8. Jahrhundert. Doch wieso gelangt das Buch auf seinem Weg durch die Jahrhunderte ausgerechnet zu ihm? Und wer interessiert sich noch dafür - und warum? Aus dem unauffälligen Bibliothekar wird ein Detektiv, der auch vor ungewöhnlichen Methoden nicht zurückscheut, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Meinung:
Ich mag Bücher, in denen es um Geheimnisse, Verschwörungen und alte Dokumente geht - eben alles was spannende und nach Abenteuern und Rätsel klingt - und genau das hat mir Franz Hohler mit "Das Päckchen" versprochen und es auch gehalten.

Es ist das erste Buch, was ich von ihm gelesen habe und kann es daher nicht vergleichen. Dennoch kann ich sagen, dass er über einen wundervollen, detaillierten, ruhigen Schreibstil verfügt, der einen an den Seiten festhält - und genauso versteht er es auch spannende Momente und Szenen aufzubauen um den Leser richtig gehend zu fesseln.

Zudem arbeitet er mit zwei Handlungssträngen, das mag ich sowieso sehr gerne - weil es einen zum einen tiefer und auf mehreren Ebenen an das Thema heranträgt und zum anderen auch das lesen abwechslungsreicher gestaltet.
Während ich einem reinen historischen Roman nicht viel abgewinnen kann, mag ich den Strang um den Mönch Haimo und seine Aufgabe als einzelnes sehr wohl.

"Das Päckchen" ist mit seiner Erzählweise, den Handlungen in der gegenwart und der Vergangenheit, der liebevollen Ausarbeitung der Charaktere und ihrer Weiterentwicklungen ein wirklich sehr gelungener Roman, den man ohne weiteres weiterempfehlen kann!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Produktinformation:
Franz Hohler - Das Päckchen, im September 2017 bei Luchterhand erschienen
224 Seiten, 20,00 €

Dienstag, 28. April 2015

Rezension: Michael Cunningham - Die Schneekönigin

Quelle: www.bloggerportal.de
 
Michael Cunningham – Die Schneekönigin

Schicksalshaft und voller Emotionen – die Schneekönigin 2015

Warum wollte ich das Buch lesen?
Die Umschlaggestaltung und der Titel haben mich sehr angesprochen – als Märchenfreundin war dann schon klar, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte.

Inhalt:
Barrett und Tyler, zwei Brüder, leben gemeinsam mit Tylers Freundin Beth in Bushwick. Beth ist an Krebs erkrankt und die beiden kümmern sich um sie. Tyler ist Musiker, er wartet noch auf seinen Durchbruch und Barrett hat sein Literaturstudium geschmissen und arbeitet in einer Boutique. Der Lebensinhalt der beiden besteht aus der Pflege von Beth – zumal Barrett auch erst von seinem letzten Freund per SMS ab serviert wurde...

Meinung:
Schwierig, schwierig. Das was ich mir erhofft hatte, ein kleines bisschen ein modernes Märchen, habe ich hier leider nicht erhalten, auch waren für mich nicht allzu viele Parallelen zum Märchen von Hans Christian Andersen vorhanden und dennoch war die Geschichte nicht schlecht.

„Die Schneekönigin“ ist mein erster Roman von Michael Cuningham und seinen Schreibstil konnte ich sehr genießen, man war direkt in der Geschichte von Tyler und Barrett und hatte keine großen Berührungsängste. Cunningham schreibt offen, ehrlich, schonungslos und auch voller Humor. Und auch totgeschwiegen wird hier nichts, egal ob es um Krebs, den Tod, Drogen oder Betrug geht - man lernt den Mensch mit all seinen Facetten und Fehlern kennen.

Den Mensch – sagen wir eher eine handvoll Menschen, viele Nebencharaktere haben wir hier nicht, aber diese tauchen immer wieder auf – mal in einem wichtigeren Zusammenhang und dann wieder eher nebensächlich. Und die Hauptcharaktere sind allesamt besonders. Egal ob es sich um Tyler handelt, der in seinem Alter noch an die Musikkarriere glaubt und mit seiner Freundin und seinem Bruder in einer heruntergekommenen Wohnung lebt, Beth, die vor ihrer Krebserkrankung jegliche Fundstücke in ihre Wohnung geschleppt hat oder Barrett, der an eine höhere Macht samt Zeichen glaubt. Alle drei sind nicht grade die typischen Leute von nebenan, dennoch hat jeder sein Päckchen zu tragen und es ist interessant die drei und ihre Freunde näher kennen zulernen.

Das Buch ist nicht wirklich in Kapitel unterteilt, aber in drei große Teile gesplittet: Ein Abend, Silvester 2005 und November 2008. Jedem Abschnitt kann man ohne Probleme eine Handlung zuordnen bzw. gewichtige Momente, was ich hier aber nicht tun werde, denn ansonsten habe ich der Geschichte die Spannung genommen.

Jetzt möchte ich noch einmal kurz auf den Titel zurück kommen. Im Gegensatz zu anderen Rezensenten, kann ich wie gesagt kaum eine Verbindung zum Märchen herstellen. Am Anfang wird Bezug darauf genommen, als Tyler eine Schneeflocke (Eissplitter) ins Auge fliegt und am Ende greift er das Thema noch einmal auf. Ansonsten ist Beth für mich ein bisschen die Schneekönigin, aber nicht weil sie unnahbar ist, sondern weil sie den Schnee einfach über alles liebt.

Wer eine außergewöhnliche Geschichte, voller Emotionen und unerwarteter Wendungen lesen möchte, sollte sich einmal an „Die Schneekönigin“ versuchen. Ein Buch, dass einen immer wieder überrascht! Dennoch muss ich ein aufgrund von falschen Erwartungen, die in mir geweckt wurden, zwei Punkte abziehen - dennoch bekommt "Die Schneekönigin" von mir gute drei Herzen!

Wertung:
♥ ♥ ♥



Samstag, 18. Februar 2012

Rezension: Gerard Donovan - Morgenschwimmer

Gerard Donovan - Morgenschwimmer


Geschichtensammlung über Irland und seine Einwohner im Industrie-Boom

Klappentext:
In diesen dreizehn Geschichten erkundet der Ire Gerard Donovan zum ersten Mal sein Heimatland, und er erweist sich als scharfer Beobachter der menschlichen Seele und des modernen Irlands. Wie in seinem Erfolgsroman "Winter in Maine" erzählt Donovan von Menschen, die mit einem Mal etwas Ungewöhnliches über sich selbst und ihr Leben begreifen und lernen müssen, mit dieser blitzartigen Erkenntnis zu leben. Und er erzählt von Menschen, die in ihrer Heimat heimatlos werden, die den Bezug zur Vergangenheit verlieren und unter dem Verlust der Menschlichkeit leiden.


Meinung:
In der Geschichtensammlung "Morgenschwimmer" von Gerard Donovan finden wir nachfolgend aufgeführte Geschichten:

Morgenschwimmer
Wie lange?
Ladendiebstahl in den USA
Uns geht`s doch gold
In irischen Nächten
Archäologen
Glas
Ein anderes Leben
Der Vogelsommer
Der Mann an der Rezeption
New Deal
Harry Dietz und
Besuch

Gerard Donovan unterhält mit Geschichten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten - aber eines haben sie alle gemeinsam: Es geht um Menschen! Ihre Ängste, Gefühle, Träume, Sehnsüchte, Verlust, Beziehungen. Dieses Buch zeigt ungeschönt wie das Leben spielen kann.
In der gleichnamigen Geschichte "Morgenschwimmer" geht es um drei Freunde, die jeden Morgen zusammen schwimmen gehen. Bis eines Morgens´einer der drei schon in seiner Umkleidekabine ist und sich anhören muss, wie die anderen beiden wirklich über ihn denken - eine Geschichte, die einen das Wort Freundschaft noch einmal überdenken lässt.
Häufig geht es um den Verrat an einem anderen Menschen, Unehrlichkeit sich selbst und seinem Partner gegenüber, gescheiterte Existenzen, aus Angst verletzt zu werden...
Gekonnt hält Donovan uns den Spiegel unserer Zeit hin - und das gilt natürlich nicht nur für Irland!
"Schwachheit, dein Name ist Mensch."
Donovan hat es geschafft mich mit seinen realistischen Geschichten zu berühren, zu erschrecken und aufzurütteln. Was für mich persönlich nach der Lektüre übrig bleibt, ist der Wunsch mein Leben zu leben, risikobereit zu sein, ohne in der ständigen Angst leben zu müssen Fehler zu begehen - und am wichtigsten jeden Moment auszukosten mit den Menschen, die ich liebe!

Wer tiefgründige Geschichten über das Leben und das Mensch-Sein mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten mag, ist mit diesem Buch sicherlich mehr als gut bedient!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich bei Academic World !

Produktinformation:
Gerard Donovan - Morgenschwimmer, übersetzt von Rudolf Hermstein, 2011 im Luchterhand Literaturverlag erschienen, 223 Seiten, 16,99 €

Zum Autor:
Gerard Donovan wurde 1959 im Wexford, Irland, geboren und lebt heute im Staat New York. Er studierte Philosophie, Germanistik und klassische Gitarre, veröffentlichte drei Gedichtbände, Shortstorys und drei Romane. Sein erster Roman "Ein bitterkalter Nachmittag" wurde mit dem Kerry Group Irish Fiction Award ausgezeichnet und stand auf der Longlist des Man Booker Prize 2003. Sein jüngster Roman "Winter in Maine" war ein internationaler Bestseller.