Montag, 13. November 2017

Interview mit Andreas Beerlage - Autor von Wolfsfährten

Copyright Carl Undéhn 

Interview mit Andreas Beerlage - Autor von Wolfsfährten

Im Nachgang zu meiner Rezension von Andreas Beerlages Buch "Wolfsfährten" habe ich die
Chance erhalten Herrn Beerlage ein paar Fragen zu stellen - heute bekommt ihr unser kleines Interview zu lesen!
Viel Spaß dabei!


Lieber Herr Beerlage,
ich freue mich sehr, dass Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen um mir ein paar Fragen zu beantworten. 
 
 Wie sind Sie darauf gekommen, das Buch "Wolfsfährten" zu schreiben? Gab es mehrere Auslöser, wie die Sichtung im Zug?
 
Im Frühjahr 2015 gab es eine Phase, in der heiß über die Wölfe diskutiert wurde – das war, als ein Jungtier mehrmals quer durch Niedersachsen gerannt ist. Mir war die Berichterstattung zu sehr ’Scherenschnitt’, zu sehr schwarz oder weiß. Da habe ich dem STERN eine Reportage vorgeschlagen, die genau ein Jahr später veröffentlicht wurde. Meine Recherche war völlig übertrieben, für einen Freelancer im Grunde existenzbedrohend, zumindest völlig unwirtschaftlich. Und als ich zum hundertsten Mal über den ’Wolfsstapel’ im  Büro gestolpert bin, habe ich gedacht: Da muss ich noch was draus machen, das ist sonst totes Kapital.

  Die Natur und die Tierwelt scheint Ihr Steckenpferd zu sein, was hat Sie auf diesen Weg gebracht?

Ich stamme aus Nordhessen, in der Nähe vom Nationalpark Kellerwald. Ich bin schlicht und einfach total schöne Natur gewöhnt. Deshalb habe ich viel Zeit meiner Kindheit auf Wiesen und Feldern und im Wald verbracht. Die ganzen Familie steht auf Tiere, und wenn wir uns mal treffen, geben wir mit unseren letzten Sichtungen an:
- Letzte Woche habe ich einen Seeadler an der Elbe gesehen!
- Und ich an der Oste einen Otter!
Ich bin als Teenager wirklich manchmal morgens um fünf Uhr aufgestanden und habe einen Waldspaziergang gemacht, um Wild zu sehen. Ich wollte auch Förster werden, das ging aber wegen dicker Brille und Heuschnupfens nicht. Eine Zeitlang habe ich als Student im Wald gearbeitet, ich kann heute noch ziemlich präzise Bäume umlegen. Gepflanzt habe ich auch ein paar hundert Stück, im Akkord. Manchmal, wenn ich zuhause im Waldecker Land bin, besuche ich meine Fichten. Die sind jetzt schon höher als ein Einfamilienhaus. Insgesamt gilt: Wenn ich mal eine Woche nicht aus der Stadt komme, kriege ich Depressionen.

Welche tierischen Geschichte oder Begebenheit, die Sie erlebt haben, fanden Sie am eindrucksvollsten?

 Da gibt es so viele … Es muss ja auch überhaupt nicht spektakulär sein. Vorgestern kreisten zum Beispiel ein paar Kraniche über mir, mitten in der Stadt. Hat sonst keiner gemerkt. Gestern habe ich ein paar Mäuschen auf den S-Bahngleisen an der Haltestelle ’Sternschanze’ beobachtet. Und im Gebüsch vor meiner Bürogemeinschaft lebt ein Zaunkönig, der ist nicht viel größer als ein Tischtennisball. Beobachtungen dieser Art machen mir einfach Spaß.

Haben Sie weitere Projekte in der Planung?

Meine Oma hat immer gesagt: „Pläne machen, das könnt ihr!“ Ich habe immer irgendwelche Pläne, meine Tochter reden von „Beerlage-Ideen“ – will heißen, wird eh nix draus. Aber ja, gerade gestern habe ich mit meiner Agentin über ein neues Buch gesprochen, da hatte ich fünf, sechs – Ideen …
 Es wird sich auf jeden Fall wieder um irgendwelche Viecher drehen, mehr weiß ich derzeit noch nicht.

Wie schätzen Sie die momentan allgemeine Stimmung bzgl. der Rückkehr des Wolfes ein? Sind nicht zum Beispiel Wildschweine viel näher an den Menschen und sorgen für größere Schäden?

Das Feedback zum Buch zeigt mir, dass es doch eine große Gruppe von Menschen gibt, die beim Wolf gerne ein ausgewogenes Vorgehen sehen würden. Die überhört man schnell, wenn die Hasser und die Kuschler rumschreien. Das hatte ich vorher nicht so gesehen, und das freut mich.
Zwischen der Abgabe des Buches und der Veröffentlichung ist allerdins schon wieder viel passiert, es wird zum Beispiel ständig über Abschüsse gesprochen. Die zuständigen Behörden schwingen gerade von überprotektiv in Richtung „Im Zweifel gegen den Angeklagten“. Das finde ich beides nicht gut.
Man sollte das ganze Wolfsding auch nicht soo wichtig nehmen, es gibt echt andere wichtige Themen, die man in den Griff bekommen muss.
Wildschweine sind tatsächlich ein Thema. Die profitieren von der Erwärmung, die sich in reicher Nahrung im Wald niederschlägt. Und vom intensiven Anbau von Mais für Bioenergie. Die Sauen werden immer mehr, die Jäger kommen nicht hinterher. Und dann stürmen die Biester Kleinstädte, wie letztens in Heide. Eigentlich ist es ja lustig …
  
 Als Buchbloggerin möchte ich natürlich auch gerne wissen, was Sie gerne lesen - was ist Ihr Lieblingsbuch?

Phasenweise bin ich ein großer Leser. Gerade habe ich die Despentes verschlungen, „Vernon Subutex“. Meine Lieblinge der vergangenen zwei Jahre waren André Kaminski und Eshkol Nevo. Lieblingsbuch ist irre schwer. Ich denke, die „Grasharfe“ von Truman Capote ist ganz weit vorne. Und „Die Ballade vom traurigen Café“ von Carson McCullers. „Verlorene Illusionen“ von Balzac.

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben meine Fragen zu beantworten und auch vielen Dank an die Vermittlung über Literaturtest!


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