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Interview mit Andreas Beerlage - Autor von Wolfsfährten
Im Nachgang zu meiner Rezension von Andreas Beerlages Buch "Wolfsfährten" habe ich dieChance erhalten Herrn Beerlage ein paar Fragen zu stellen - heute bekommt ihr unser kleines Interview zu lesen!
Viel Spaß dabei!
Lieber Herr Beerlage,
ich
freue mich sehr, dass Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen um mir
ein paar Fragen zu beantworten.
Wie sind Sie darauf gekommen, das Buch "Wolfsfährten" zu schreiben? Gab es mehrere Auslöser, wie die Sichtung im Zug?
Im
Frühjahr 2015 gab es eine Phase, in der heiß über die Wölfe diskutiert
wurde – das war, als ein Jungtier mehrmals quer durch Niedersachsen
gerannt ist. Mir war die Berichterstattung zu sehr ’Scherenschnitt’, zu
sehr schwarz oder weiß. Da habe ich dem STERN eine Reportage
vorgeschlagen, die genau ein Jahr später veröffentlicht wurde. Meine
Recherche war völlig übertrieben, für einen Freelancer im Grunde
existenzbedrohend, zumindest völlig unwirtschaftlich. Und als ich zum
hundertsten Mal über den ’Wolfsstapel’ im Büro gestolpert bin, habe ich
gedacht: Da muss ich noch was draus machen, das ist sonst totes
Kapital.
Die Natur und die Tierwelt scheint Ihr Steckenpferd zu sein, was hat Sie auf diesen Weg gebracht?
Ich
stamme aus Nordhessen, in der Nähe vom Nationalpark Kellerwald. Ich bin
schlicht und einfach total schöne Natur gewöhnt. Deshalb habe ich viel
Zeit meiner Kindheit auf Wiesen und Feldern und im Wald verbracht. Die
ganzen Familie steht auf Tiere, und wenn wir uns mal treffen, geben wir
mit unseren letzten Sichtungen an:
- Letzte Woche habe ich einen Seeadler an der Elbe gesehen!
- Und ich an der Oste einen Otter!
Ich
bin als Teenager wirklich manchmal morgens um fünf Uhr aufgestanden und
habe einen Waldspaziergang gemacht, um Wild zu sehen. Ich wollte auch
Förster werden, das ging aber wegen dicker Brille und Heuschnupfens
nicht. Eine Zeitlang habe ich als Student im Wald gearbeitet, ich kann
heute noch ziemlich präzise Bäume umlegen. Gepflanzt habe ich auch ein
paar hundert Stück, im Akkord. Manchmal, wenn ich zuhause im Waldecker
Land bin, besuche ich meine Fichten. Die sind jetzt schon höher als ein
Einfamilienhaus. Insgesamt gilt: Wenn ich mal eine Woche nicht aus der
Stadt komme, kriege ich Depressionen.
Welche tierischen Geschichte oder Begebenheit, die Sie erlebt haben, fanden Sie am eindrucksvollsten?
Da
gibt es so viele … Es muss ja auch überhaupt nicht spektakulär sein.
Vorgestern kreisten zum Beispiel ein paar Kraniche über mir, mitten in
der Stadt. Hat sonst keiner gemerkt. Gestern habe ich ein paar Mäuschen
auf den S-Bahngleisen an der Haltestelle ’Sternschanze’ beobachtet. Und
im Gebüsch vor meiner Bürogemeinschaft lebt ein Zaunkönig, der ist nicht
viel größer als ein Tischtennisball. Beobachtungen dieser Art machen
mir einfach Spaß.
Haben Sie weitere Projekte in der Planung?
Meine
Oma hat immer gesagt: „Pläne machen, das könnt ihr!“ Ich habe immer
irgendwelche Pläne, meine Tochter reden von „Beerlage-Ideen“ – will
heißen, wird eh nix draus. Aber ja, gerade gestern habe ich mit meiner
Agentin über ein neues Buch gesprochen, da hatte ich fünf, sechs – Ideen
…
Es wird sich auf jeden Fall wieder um irgendwelche Viecher drehen, mehr weiß ich derzeit noch nicht.
Wie schätzen Sie die momentan allgemeine Stimmung bzgl. der Rückkehr
des Wolfes ein? Sind nicht zum Beispiel Wildschweine viel näher an den
Menschen und sorgen für größere Schäden?
Das
Feedback zum Buch zeigt mir, dass es doch eine große Gruppe von
Menschen gibt, die beim Wolf gerne ein ausgewogenes Vorgehen sehen
würden. Die überhört man schnell, wenn die Hasser und die Kuschler
rumschreien. Das hatte ich vorher nicht so gesehen, und das freut mich.
Zwischen
der Abgabe des Buches und der Veröffentlichung ist allerdins schon
wieder viel passiert, es wird zum Beispiel ständig über Abschüsse
gesprochen. Die zuständigen Behörden schwingen gerade von überprotektiv
in Richtung „Im Zweifel gegen den Angeklagten“. Das finde ich beides
nicht gut.
Man
sollte das ganze Wolfsding auch nicht soo wichtig nehmen, es gibt echt
andere wichtige Themen, die man in den Griff bekommen muss.
Wildschweine
sind tatsächlich ein Thema. Die profitieren von der Erwärmung, die sich
in reicher Nahrung im Wald niederschlägt. Und vom intensiven Anbau von
Mais für Bioenergie. Die Sauen werden immer mehr, die Jäger kommen nicht hinterher. Und dann stürmen die Biester Kleinstädte, wie letztens in Heide. Eigentlich ist es ja lustig …
Als Buchbloggerin möchte ich natürlich auch gerne wissen, was Sie gerne lesen - was ist Ihr Lieblingsbuch?
Phasenweise
bin ich ein großer Leser. Gerade habe ich die Despentes verschlungen,
„Vernon Subutex“. Meine Lieblinge der vergangenen zwei Jahre waren André
Kaminski und Eshkol Nevo. Lieblingsbuch ist irre schwer. Ich denke, die
„Grasharfe“ von Truman Capote ist ganz weit vorne. Und „Die Ballade vom
traurigen Café“ von Carson McCullers. „Verlorene Illusionen“ von
Balzac.
Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit
genommen haben meine Fragen zu beantworten und auch vielen Dank an die
Vermittlung über Literaturtest!

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