Katja Brandis – Und keiner wird dich
kennen
Am Anfang war er doch so nett
Inhalt:
Maja lebt mit ihrem kleinen Bruder
Elias und ihrer Mutter Lila in Offenbach. Die letzten drei Jahre
hatten die drei eine Verschnaufpause, doch nun ist es soweit. Lilas
Ex-Freund, Robert Barsch, der sie am Ende ihrer Beziehung nur noch
bedroht und misshandelt hat, kommt nach einer dreijährigen
Haftstrafe wieder auf freien Fuß. Ein unüberlegter Anruf aus dem
Gefängnis mit einer klaren Botschaft: „Diesmal werden wir dich
killen!“ sorgt für Aufruhr und Angst in der kleinen Familie und
Lila entscheidet sich zur Polizei zu gehen, wo sie das Angebot
bekommen in ein Opferschutzprogramm aufgenommen zu werden. Lila
stimmt direkt zu und auch Maja ist damit einverstanden, obwohl sie so
viel zurücklassen muss. Dass es dennoch nicht einfach ist sein Leben
hinter sich zu lassen merkt Maja ganz schnell....
Meinung:
Bisher habe ich von Katja Brandis schon
die Bücher „Ruf aus der Tiefe“ und „Schatten des Dschungels“
gelesen, die in Zusammenarbeit mit Hans-Peter Ziemek entstanden sind
– und die ich schlicht und einfach liebe. Von daher hatte ich meine
Messlatte für „Und keiner wird dich kennen“ sehr hoch angelegt,
aber Katja Brandis konnte mich auch mit ihrem neusten Buch wieder
voll und ganz für sich und ihre Geschichte einnehmen.
Katja Brandis Schreibstil ist einfach
und sehr angenehm zu lesen. Sie schafft es, dass man sich als Leser,
schon nach ein paar Seiten komplett in der Geschichte verliert und
nicht mehr aus den Seiten auftauchen will. Sowohl, die Handlungsorte,
als auch die Situationen beschreibt sie sehr detailliert und bildlich
– einfach in Farbe – so dass man sich zurücklehnen kann und
genießen bzw. in diesem Fall mitbangen, hoffen und zittern.
Grade bei den Charakteren hat sie hier
auch wundervolle Arbeit geleistet, und dass ist für mich persönlich
einer der wichtigsten Punkte. Mir müssen die Hauptprotagonisten
sympathisch sein. Ich muss mit ihnen mitfühlen können und sie
verstehen.
Das geht hier ganz leise und
schleichend. Maja und ihre Familie habe ich wirklich ganz schnell ins
Herz geschlossen, zum einen weil man schon zu Anfang des Buches ein
wenig erfährt, was sie in den letzten Jahren durch machen mussten.
Wir erfahren wie sehr sie unter Robert Barsch gelitten haben, einem
Mann, der alles und vor allen Dingen Lila unter Kontrolle wissen
wollte.
Und nun drängt er sich wieder in ihr
Leben. Maja muss ihr liebgewonnenes Leben mit ihren Schulkameraden
und ihrem Jugend-forscht-Projekt aufgeben. Was jedoch am schlimmsten
für sie ist, ist dass sie auch Lorenzo – ihre erste große Liebe –
ohne ein erklärendes Wort zurücklassen muss. Alles geliebte,
gewohnte und vertraute wird ihr genommen und sie muss in einem
bayrischen Dorf in der Nähe Münchens komplett neu anfangen.
Frau Brandis schafft es auch hier
wunderbar die Gefühle von Maja und ihrer Familie auszudrücken und
auch die unausgesprochenen Ängste und Sorgen in Worte zu fassen.
Keiner hat es so schwer wie Maja das alte Leben hinter sich zu
lassen, Elias hatte sowieso nicht so viele Freunde in der Schule und
Lila nimmt die Chance war sich ein neues Leben aufzubauen und
versucht sich als Schriftstellerin. Und auch wenn Maja sich alle Mühe
gibt, ihre neue Identität aufrecht zu erhalten, gibt es Menschen wie
Stella, ihre neue Freundin, die genau hinschaut und merkt, dass Maja
etwas vor ihr verbirgt.
Das Grundthema „Stalking“ finde ich
sehr interessant gewählt und ich muss sagen, dass ich bisher auch
noch kein Buch mit dieser Thematik gelesen habe. Interessant ist, wie
einfach es Robert Barsch mit Hilfe von moderner Technik es Robert
Barsch gemacht wird sich an die Fersen der Familie zu hängen. Er
nutzt gefälschte Ausweise, arbeitet mit Hilfe von Viren und
Keyloggern um an Daten zu kommen und telefoniert über extra
gesicherte Verbindungen. Ich finde es immer wieder erschreckend, was
man mit unseren liebgewonnen technischen Errungenschaften alles
anrichten kann, wenn man jemandem böses will.
Auch sehr interessant ist die
Diskussion der Schuldfrage. Wem hat man es nun zu verdanken, dass
Robert Barsch sie doch wieder aufgespürt hat? Ist wirklich Maja
Schuld? Oder hätte ihrer Mutter nicht einfach umsichtiger bei der
Partnersuche sein müssen, denn sie hat dieses Monster ja ins Haus
geholt? Und ist Robert Barsch überhaupt schuldfähig, wo er doch
selbst eine sehr schwierige Beziehung zu seinen Eltern hatte?
Wie die Fragen zu beantworten sind,
muss jeder selbst für sich entscheiden – aber vorher solltet ihr
natürlich „Und keiner wird dich kennen“ gelesen haben!
„Und keiner wird dich kennen“ ist
ein Jugendthriller, der wirklich unter die Haut geht und spannend bis
zur letzten Seite ist! Ein Roman voller Gefühle, der dir manchmal
ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, aber auch genauso schnell
dafür sorgen wird, dass du eine Gänsehaut bekommst!
Absolute Leseempfehlung!
Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥
Produktinformation:
Katja Brandis – Und keiner wird dich
kennen, im Januar 2013 erschienen bei Beltz und Gelberg,
400 Seiten, 16,95 €
Also ich habe auch "Schatten des Dschungels" und "Ruf der Tiefe" gelesen und fand beide auch sehr gut!
AntwortenLöschenIch bin mir aber trotzdem noch nicht sicher, ob ich Brandis' Buch lesen werde, einfach, weil mich das Thema "Stalking" nicht sehr interessiert. Aber es ist auf jeden Fall ein Stück nach oben gerutscht auf der Leseliste! ^^
Ich bin mittlerweile wirklich der Meinung, dass man bei einem Brandis nichts falsch machen kann^^ :-)
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Hm, eigentlich wollte ich das ja nicht lesen, aber nun hast du mich neugierig gemacht. Vielleicht schau ich ja doch mal rein :D
AntwortenLöschenIch habe biser Libellenfänger von Katja Brandis gelesen und es hat mir gut gefallen.
AntwortenLöschenAuf das Buch bin ich auch sehr gespannt und deine Rezension zeigt mir, dass mir das Buch auch gut gefallen würde.
Liebe Grüße
Vanessa