Freitag, 16. September 2011

Interview mit Nicole Bulgrin - Autorin von "Winterwelt"

Hallo meinem Lieben,
vor kurzem bekam ich die Möglichkeit  "Winterwelt" in einer Lovely Books Leserunde, bei der auch Nicole rege mitdiskutiert und unsere Fragen beantwortet hat, zu lesen. Dieses zauberhaft schöne und märchenhafte Buch hat mich und viele andere Leser so sehr begeistert, dass ich gerne ein bisschen mehr über Nicole und ihre Leidenschaft - das Schreiben - in Erfahrung bringen wollte. Das Ergebnis könnt ihr nun hier lesen:


Liebe Nicole, herzlichen Dank, dass du dir die  Zeit nimmst mir und meinen Lesern etwas mehr über dich zu verraten.
Im Oktober 2010 ist dein erstes Buch “Winterwelt“ erschienen. Was war es für ein Gefühl dein Buch in den Händen zu halten?

Es war ein großartiges Gefühl! Obwohl ich gestehen muss, dass es ziemlich schnell von dem Gedanken 'ich muss unbedingt noch ein Buch schreiben' verdrängt wurde. Aber das ist ganz typisch für mich. Ich muss immer in Bewegung bleiben. Solange mir die Ideen nicht aus gehen, sollte das kein Problem darstellen.


Mich interessiert natürlich auch, seit wann du schon Geschichten schreibst und ob noch ein paar Ideen für neue Buchprojekte in deiner Schublade schlummern?


Angefangen hat eigentlich alles mit Winterwelt. Ich war schon immer eine Träumerin und irgendwann ist in mir der Wunsch entstanden, diese Träume zu einer Geschichte zusammen zu fassen. Zuerst habe ich es nicht so ernst genommen, weil es für mich eben völlig neu war. Ich dachte, es sei 'nur mal' eine interessante Erfahrung. Doch mit jedem Wort, das ich geschrieben habe, wurde es zunehmend eine Leidenschaft. So ist dieses Buch entstanden. Ursprünglich sollte es auch nur bei diesem einen bleiben, denn dafür waren meine Träumerein ausreichend. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass meine Kreativität und meine Einfälle während des Schreibens noch weiter anwuchsen und so war dann schnell ein zweiter und dritter Teil in Planung. Ebenfalls gibt es noch Ideen zu einem weiteren Fantasy-Roman, der mit Winterwelt rein gar nichts zu tun hat und auf jeden Fall ein Einzelband sein wird. Es schlummert also momentan nichts in meiner Schublade, doch in meinem Kopf häufen sich die Geschichten.


War es für dich eine bewusste Entscheidung dein Buch im Selbstverlag heraus zu bringen? Wieso hast du sie getroffen?


Anfangs habe ich es auf dem üblichen Weg versucht und Winterwelt an unterschiedliche Verlage geschickt. Die Standardabsagen kamen in unregelmäßigen Abständen in meinen Briefkasten geflattert. Doch ich hatte das Glück, dass Winterwelt praktisch zur richtigen Zeit fertiggestellt wurde. Momentan ist es für Autoren einfacher denn je, die eigenen Werke auf den Markt zu bringen. So kann man beispielsweise das eBook mit wenig Aufwand schon bei Amazon im Kindle-Store selbst veröffentlichen. Möchte man das Buch auch bei Apple im iBook-Store sehen, so ist man mit dem Anbieter epubli gut beraten, der die eBooks sowohl im eigenen Shop als auch über Apple und Amazon anbietet. Die Möglichkeiten sind inzwischen unglaublich groß.


Sehr viel schwieriger ist es jedoch für das eigene Buch zu werben. Aber mit Zeit und Recherche findet man auch darüber viele nützliche Infos im Internet.


Im Selbstverlag zu veröffentlichen bedeutet in jedem Fall viel Arbeit, doch das ist es mir wert. Ich habe Winterwelt mit viel Herzblut geschrieben, so dass es für mich weitaus schlimmer wäre, dieses Buch in meiner Schublade einstauben zu lassen, als Hunderte von Absagen zu bekommen. Mitunter liegt es auch daran, dass Winterwelt nicht nur ein Fantasy-Buch ist, sondern auch eine Autobiographie im weitesten Sinne, denn die Geschichte von Arrow und Melchior ist gleichzeitig die Geschichte von mir und meinem Vater. Das Schreiben hat mir dabei geholfen, seinen Verlust besser zu verarbeiten. Natürlich kann es ihn nicht ersetzen, doch das Buch war in dieser Hinsicht eine unglaublich große Hilfe für mich.


Wie viel Zeit und Herzblut steckt in “Winterwelt (vom ersten Wort bis zum fertigen Druck)?


Insgesamt habe ich zwei Jahre an Winterwelt geschrieben. Doch das Schreiben allein kann die Zeit nicht bemessen. Erst kürzlich habe ich ein neues eBook-Cover für Winterwelt entworfen, auf das ich sehr stolz bin. Wie beim Schreiben habe ich mir dieses Mal auch für das Cover die Zeit genommen, die ich brauchte um ein gutes Gefühl dafür zu bekommen und um sagen zu können 'das ist es'. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, sich bei solchen Dingen die Zeit zu nehmen, die man braucht, um abschließend voll und ganz dahinter stehen zu können.


Weiterhin stecke ich auch noch viel Zeit in die Werbung für Winterwelt, obwohl ich nebenbei längst an dem Folgeband arbeite. Es begleitet mich also immer weiter.


Kannst du uns schon einen kleinen Einblick geben, wie es mit Arrow weitergeht und wann die Fortsetzungen erscheinen werden?


Für Arrow stehen noch einige wichtige Ereignisse an. Zum einen sucht sie weiterhin nach Möglichkeiten ihr Volk zu befreien, doch auf der anderen Seite steht noch immer der Verlust ihres Vaters an erster Stelle. Bevor sie sich anderen Dingen widmen kann, muss sie mit sich selbst ins Reine kommen. Sie befindet sich zwar in einem stabilen Umfeld, was Freunde und Familie betrifft, doch leidet noch immer unter dem Umstand, dass sie von einem Moment auf den anderen aus ihrer heilen Welt in Elm Tree gerissen wurde und erwachsen werden musste. Beinahe gleichzeitig hat sie die für sie wichtigste Person in ihrem Leben verloren – ihren Vater. Sie wurde also in ein völlig neues Leben geworfen ohne jede Chance, jemals in ihr Altes zurückkehren zu können. Und sie wird von Vorwürfen und der Frage gequält, wie sie das alles hätte verhindern können.

Gleichzeitig tauchen erste Feinde der Nyriden auf, die Arrow Steine in den Weg legen wo sie nur können. Alles beginnt langsam Formen anzunehmen und in eine gewisse Richtung zu weisen. In der Fortsetzung 'Frühlingserwachen', die Ende 2011 erscheinen wird, geht die Reise also ebenso abenteuerlich weiter, wie sie begonnen hat.


“Winterwelt“ ist eine bezaubernde Mischung aus Fantasy und Märchen. Liest du selbst gerne fantastische Literatur?


Ich liebe fantastische Literatur! Es hat sogar eine Zeit gegeben, in der ich mich gefragt habe, warum nicht alle nur noch Fantasy schreiben und lesen. Mittlerweile finde ich ein bisschen Abwechslung auch nicht schlecht. Aber im Prinzip wird mein halbes Leben von Fantasy geprägt. Egal ob Bücher oder Filme – wenn auch nur eine Figur zarte Flügel oder einen Hexenkessel hat, bin ich so gut wie dabei.



Sagen und Fabelwesen spielen eine große Rolle in deinem Buch. Verrätst du uns wo die Vorliebe herkommt?


So genau kann ich das eigentlich gar nicht mehr sagen. In jedem Fall hat der Film “Die Reise in das Labyrinth“ mit David Bowie eine große Rolle gespielt. Es ist bis heute mein absoluter Lieblingsfilm. Später bin ich dann auf das Buch “Von Elfen, Goblins, Spukgestalten“ von Brian Froud und Alan Lee aufmerksam geworden. Da Brian Froud auch schon bei “Die Reise ins Labyrinth“ mitgewirkt hatte, habe ich mich beim Buchcover sofort daran erinnert gefühlt.


“Von Elfen, Goblins, Spukgestalten“ ist gefüllt mit Sagen und Legenden, die teilweise mehrere Hundert Jahre alt sind. Mich fasziniert die Vorstellung, dass die Leute früher wirklich an all diese Dinge geglaubt haben, was unter anderem auch dazu geführt hat, dass sie weitaus respektvoller mit der Natur umgegangen sind, als wir es heute tun. Manchmal versuche ich mich in die Menschen der damaligen Zeit hineinzuversetzen und stelle mir vor wie es wohl gewesen sein muss, mit so vielen 'kleinen Geistern und Beobachtern' zu leben. Auf der anderen Seite hat es natürlich auch ganz fürchterliche Taten zur Folge gehabt – wenn man zum Beispiel an die mittelalterlichen Hexenverbrennungen zurück denkt. Das ist dann wieder etwas, das mich zutiefst schockiert. Trotzdem hat dieser Glaube die Menschen früher in ihrem gesamten Leben und Handeln beeinflusst und das finde ich überaus erstaunlich.


Der letzte Tropfen, der das Fass dann zum Überlaufen gebracht hat, war J. K. Rowling mit ihrer Harry Potter Reihe. Diese Welt hat mich derart in den Bann gezogen, dass es spätestens mit diesen Büchern und Filmen vollkommen um mich geschehen war. Seitdem ist Fantasy ein fester Bestandteil in meinem Leben.


Was gefällt dir am besten am Schreiben und gibt es Seiten daran, die du gar nicht magst?


Am besten gefällt es mir, mich damit ausdrücken und die Bilder in meinem Kopf durch das Schreiben so aufbereiten zu können, dass sie auch in den Gedanken der Leser auftauchen. In jeder Geschichte steckt ja immer auch ein gewisser Teil des eigenen Selbst. Es ist einfach eine schöne Art, jemand anderen an der eigenen Fantasie teilhaben zu lassen.


Sehr zu kämpfen habe ich oft, wenn ich seit längerem nichts geschrieben habe und erst wieder in den Schreibfluss kommen muss. Es ist dann zwar nicht so, dass man alles verlernt hat, doch wie jeder Sportler brauche auch ich dann wieder einige Zeilen, um mich aufzuwärmen und diesen Zustand finde ich ganz fürchterlich. Mittlerweile hält eine solche Phase nicht mehr ganz so lange an wie früher, denn ich habe es mir angewöhnt meine Schreibpausen nicht mehr ausarten zu lassen. Außerdem weiß ich inzwischen, wie sehr ich mich freue, wenn ich mich dann doch endlich 'überwunden' habe und das treibt mich zusätzlich voran.


Wie hat dein Umfeld auf “Winterwelt“ reagiert? Und wer durfte zuallererst in dein Manuskript reinschnuppern?


Mein Mann hat das Buch zuerst gelesen. Es war nicht ganz einfach für ihn, da er sonst eher wenig Fantasy liest. Zwar verschlingt er Reihenweise Bücher in kürzester Zeit, doch mehr in anderen Genres. Er hat sich mit seiner Meinung sehr schwer getan, da er die Entstehung dieses Buches ja hautnah mitbekommen hat. Zudem war er hin und her gerissen zwischen 'Wahnsinn – meine Frau hat ein Buch geschrieben' und 'wir sind zwar ein Paar, doch ich muss die Sache trotzdem objektiv betrachten'. Ich glaube, es ging ihm so, wie es allen Menschen geht, die einem so nahe stehen. Natürlich sind sie einerseits stolz, wollen sich die Sicht aber davon nicht trüben lassen.


Bei Freunden war es ein bisschen anders. Da ich selbst lange nicht wusste, was ich von dem Schreiben halten sollte, habe ich in meinem Freundeskreis erst sehr spät verkündet, dass ich ein Buch schreibe. Ich wollte es nicht groß herum erzählen, nur um dann kurze Zeit später doch die Lust daran zu verlieren. So haben meine Freunde Winterwelt eher argwöhnisch aufgenommen. Die Reaktionen nach dem Lesen waren jedoch wie bei anderen Lesern auch – für einige war es nicht unbedingt ansprechend, andere waren überaus begeistert und wieder andere konnten sowohl mit Fantasy als auch mit Büchern überhaupt nichts anfangen. Es war im Prinzip eigentlich kaum anders, als bei der Leserunde auf Lovelybooks – bis auf die Tatsache, dass sich dort sehr wohl nur Leute tummeln, für die Bücher das halbe Leben bedeuten.


Ich gehe davon aus, dass du neben deiner Berufung – dem Schreiben – auch noch einen “normalen“ Beruf ausübst. Wie verdienst du deine Brötchen?


Ich arbeite seit mittlerweile sechs Jahren im Hamburger Hafen in der Administration der HHLA Container Terminal Altenwerder GmbH. Dort bin ich damals über viele Umwege hingekommen, denn eigentlich bin ich gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte. Gerade in diesem Beruf verbringt man gute 60 % des Tages mit dem Anfertigen von Schriftstücken. Es war also eine gute Grundlage für meine heutige Leidenschaft.

Hast du beim Schreiben bestimmte Rituale?


Überhaupt nicht. Anfangs war es eher noch so, dass ich zum Schreiben Ruhe brauchte und am liebsten alle anderen Dinge, die sonst noch auf dem Zettel standen, schon erledigt hatte. Das führte oft dazu, dass ich nach all meinen Erledigungen keine Lust mehr darauf hatte, mich noch an meinen Computer zu setzen. Heute ist das anders. Da bleiben einige andere Dinge schon mal liegen und das Schreiben geht vor. So gefällt es mir inzwischen auch viel besser.


Hast du einen ganz persönlichen Lieblingscharakter in “Winterwelt”?


Mein Lieblingscharakter ist Anne, da sie ebenfalls einer Person meines realen Lebens entsprungen ist. Ihr richtiger Name war Anna und sie war ein wahrer Engel in meinem Leben. In schwierigen Zeiten war sie immer da und wusste einfach, wie sie mich aufmuntern konnte. Da sie – wie auch Anne im Buch – gute siebzig Jahre älter war als ich, haben sich unsere Wege schon vor einiger Zeit getrennt. Trotzdem denke ich noch immer mit ganz viel Freude an sie zurück. Sie war wirklich eine schöne Frau – sowohl äußerlich, als auch innerlich.


Meine anderen Charaktere mag ich natürlich auch unwahrscheinlich gerne, doch Anne ist einfach etwas ganz Besonderes.


Noch einmal herzlichen Dank an dich, liebe Nicole, dass du dir so viel Zeit genommen hast, und natürlich auch herzlichen Dank für die schönen Antworten!  Mir hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht dieses Interview mit dir zu führen :-)

Kommentare:

  1. Interessantes Interview mit einer sympathischen Autorin. Tolle Fragen hast du dir einfallen lassen, die auch gut beantwortet wurden. Lg, Diti

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  2. Dankeschön Diti ;-) Auf dich ist doch immer Verlass :-) Ich finde Nicola auch sehr sympathisch!

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  3. Ein schönes Interview, mit noch schöneren Antworten. Da habt ihr mich ja jetzt richtig neugierig auf "Winterwelt" gemacht ...

    LG! :)

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  4. @Clee: Das freut mich, denn das ist ja auch Sinn und Zweck ;-)
    Liebe Grüße

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