Montag, 8. August 2011

Autoreninterview mit Alexander Merow

Hallo ihr Lieben,
heute kommen Claudia und ich zum Abschluss unseres gemeinsamen Lesetagebuches "Beutewelt I", und wie wir es euch versprochen haben, gibt es nun noch unser erstes Autoreninterview:

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
„Ich habe mit 11 Jahren meine ersten Schreibversuche gestartet. Damals habe ich versucht meine Lieblings-Science-Fiction-Serie „Commander Perkins“ weiterzuschreiben. Seitdem habe ich zwischendurch immer mal wieder geschrieben, bis ich mich dann entschlossen habe, ein „richtiges“ Buch (Beutewelt) zu verfassen.“

War gerade dieses Thema (Überwachung etc) eine Herzensangelegenheit, oder ist die Geschichte einfach "passiert?"
„Ich beschäftige mich seit Jahren mit weltpolitischen Hintergründen und mir macht die in meinen Augen fortschreitende Überwachung, also der „gläserne Bürger“, zunehmend Sorgen. Zudem habe ich auch dystopische Klassiker wie z.B. „1984“ von George Orwell gelesen, was mich unter anderem inspiriert hat, ein realitätsnahes Zukunftsszenario zu entwerfen. Ich behaupte allerdings, dass Beutewelt inzwischen den aktuelleren Bezug haben dürfte.“

 War die Story von Beginn an als Reihe konzipiert oder hat es sich so ergeben?
„Eigentlich war ich am Anfang noch unschlüssig, wobei ich irgendwann selbst wissen wollte, wie sich eine Situation wie in Beutewelt wohl weiterentwickeln würde. „Welche Möglichkeiten des Widerstandes hätte man denn, wenn einen eine solche Weltregierung beherrscht?“ Diese Frage ging mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf und so habe ich diverse Gedankenfragmente für die Folgebände zu Papier gebracht. Immerhin hatte sich ja nach dem 1. Teil faktisch nichts weltpolitisch verändert – was auch unrealistisch gewesen wäre.“

 Wie arbeitest du? (Wir gehen davon aus, dass du nicht 12 Duftkerzen um  den  Schreibtisch arrangierst und Mozart auflegst ;) )
„Ich sitze einfach vor meinem Rechner in meinem nur mäßig aufgeräumten Arbeitszimmer und hoffe, dass mich Mensch und Hund in Ruhe schreiben lassen (Lach!). Gelegentlich taucht sogar eine kleine, neugierige Hundeschnauze neben meiner Tastatur auf, was mich aber auf Dauer nicht aufhalten kann.“

 Wie lange hast du an Beutewelt I geschrieben und wie lange hast du vorher schon darüber nachgedacht?
„Ich habe etwa 3 Monate für den ersten Teil gebraucht. Die Ideen spukten allerdings schon seit Jahren in meinem Kopf herum.“

Wie lange hast du für die Nachfolgebände gebraucht? Warum ging das schneller (oder auch nicht)?
„Teil 2 habe ich fast ohne Unterbrechung nach Teil 1 weitergeschrieben. Dann habe ich den Roman allerdings noch einmal gründlich überarbeitet, nachdem ein paar „Testleser“ einige berechtigte Kritikpunkte aufgeführt hatten. Für Teil 2 und Teil 3 habe ich jeweils auch so etwa drei Monate gebraucht.“

Wie hat dein Umfeld reagiert auf die Veröffentlichung? Hast du das im Geheimen durchgezogen oder wussten alle schon während des Schreibens Bescheid?
„Einige gute Freunde wussten natürlich Bescheid und die Reaktionen waren fast ausschließlich positiv. Zurzeit drängen viele meiner Bekannten auf den 4. Teil, aber der ist noch in Arbeit.“
Was würdest du heute anders machen, wenn du nochmal ganz am Anfang stehen würdest?
„Beutewelt 1 war ein Liebhaberprojekt, das ich fast wie in einem kleinen „Wahn“ runtergeschrieben habe. Sprachlich und erzähltechnisch habe ich seit diesem ersten Roman sicherlich noch einiges dazugelernt – und man lernt immer weiter. Jedenfalls versucht man das.“

 Ist der Name Frank Kohlhaas wirklich ganz bewusst und auch als Bezug auf Michael Kohlhaas gewählt worden?
„Ja! Auf jeden Fall! Michael Kohlhaas ist der Typus des „ungerecht Verurteilten“, der dann selbst „richtet“. Er ist eine zweischneidige Figur, genau wie Frank Kohlhaas auch. Frank ist in meinen Augen ein eigentlich guter Mensch, dessen aggressive Seite durch sein tragisches Schicksal geweckt wird. Ob er immer richtig handelt, soll dem Urteil des Lesers überlassen werden. Das Gleiche gilt auch für die anderen Rebellen, etwa Alfred Bäumer, Artur Tschistokjow, Thorsten Wilden usw. Wie würde man selbst handeln? Das ist die Frage. Würde man sich an Franks Stelle wehren? Und wie würde man sich dann wehren? Eigentlich ein altes Problemfeld…“

Sind die anderen Namen bewusst sprechend gewählt oder ist das Zufall?
„Der Nachname „Bäumer“ wurde von Paul Bäumer (Im Westen nichts Neues) inspiriert. Die anderen Namen sind eher zufällig entstanden.“

Wie stark siehst du unsere Welt wirklich durch die Vernetzung und Überwachung gefährdet?
„Ich halte eine Entwicklung wie in Beutewelt für nicht unwahrscheinlich. Viele Dinge, die hinter den Kulissen der Weltpolitik laufen, deuten auf ein solches oder ein ähnliches Zukunftsszenario hin. Dafür muss man sich natürlich viel mit solchen Fragen befassen – und das tue ich seit Jahren.“

Glaubst du, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es so endet oder siehst du darin nur eine von vielen Möglichkeiten?
„Ich bin kein Prophet und ich hoffe nicht, dass morgen die Beutewelt zur Realität wird. Natürlich kann es auch anders kommen und das wäre sicherlich wünschenswert. Ob man aber auf meine Wünsche hört, wird die Zukunft zeigen.“

Vielen herzlichen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast Alexander!

Und all ihr anderen vor den Bildschirmen, vielleicht habt ihr nun ja auch Lust mal etwas von Alexander Merow zu lesen ;-) Ihr werdet es bestimmt nicht bereuen!

1 Kommentar:

  1. Huhu,
    ein wirklich sehr interessantes und schönes Interview, ich glaube ich mir das Buch echt merken :)

    vlg misa

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