Mittwoch, 14. Februar 2018

Interview mit Kai Lüdders - Autor von "Mutwille"

Interview mit Kai Lüdders - Autor von "Mutwille"


Im Nachgang zu meiner Rezension von Kai Lüdders Buch "Mutwille" habe ich die Chance erhalten Herrn Lüdders ein paar Fragen zu stellen - heute bekommt ihr unser kleines Interview zu lesen!
Viel Spaß dabei!


1. Was war Ihre Intention "Mutwille" zu schreiben?

Copyright privat
Die Geschichte, die „Mutwille“ zugrunde liegt, besteht aus vielen Teilen gesellschaftlicher Schwingungen, die ich teilweise schon sehr lange, teilweise erst seit kurzem spüre. Ich glaube, jeder fühlt zurzeit hierzulande, dass alles stärker polarisiert wird. Es liegt eine Diskrepanz in der Luft, dass es eigentlich materiell gesehen den Menschen sehr gut geht, das Gefühl der Unzufriedenheit und der Machtlosigkeit aber immer weiter zunimmt. Ich habe versucht, diese Schwingungen mitzunehmen und in eine spannende Geschichte zu packen. Eigentlich war der in „Mutwille“ beschriebene Virus gar nicht wichtig. Dieses Phänomen hätte man auch beliebig gegen diverse andere Dinge austauschen können, die den Menschen Angst machen kann. Wichtig war mir bei alledem aber, dass klar erkennbar ist, dass „Mutwille“ eine Fiktion ist und dass ich keineswegs - wie so viele andere politische Autoren - den moralischen Zeigefinger heben wollte.

2. Wie lange war der Weg von der Idee bis zum fertigen Buch in Ihrer Hand?

Im Sommer 2016 hatte ich eine private Diskussion, die ich zum Anlass genommen hatte, die Geschichte zu entwickeln. Am Anfang war ein weißes großes DINA 2 Blatt und November 2017 wurde zunächst das Hardcover, dann das Softcover und dann das Ebook veröffentlicht. Ich habe aber sehr schnell begonnen zu schreiben und die Idee dabei weiter entwickelt. Ich muss sagen, dass das Endergebnis nur zur Hälfte etwas mit der ursprünglichen Idee zu tun hat.

3. Ist es von Ihnen so gewollt, dass die Handlung eher im Mittelpunkt steht, als die Protagonisten, oder war das nur mein persönlicher Eindruck?

Ganz klar dürfte „Mutwille“ ein Buch sein, in der die Handlung im Vordergrund steht. Das ist bewusst so gewollt, weil ich damit ja auch ausdrücken will, dass Personen in diesem Spiel austauschbar sind. Jeder kann sich darin verfangen und keiner kann sich von den Fängen freimachen. Aber auf der anderen Seite habe ich auch viele Rückmeldungen bekommen, die sagen, dass sie sich die Personen förmlich vorstellen können, als ob sie in der Wirklichkeit da sind. Viele hatten auch Assoziationen zu tatsächlichen Personen - was von mir natürlich absolut und ganz ehrlich und dreimal geschworen nicht gewollt ist ;-). Ich glaube, die Personen habe ich genauso beschrieben, dass jeder Leser in den Personen das sehen konnte, was er wollte. Dass Sie die Personen sich nicht ganz so bildlich vorstellen konnten, können Sie als Kompliment auffassen! Offenbar sind Sie noch nicht ganz so gefangen, in den Spielen und Fängen der Mächtigen! ;-)

4. Haben Sie einen Lieblingscharakter in "Mutwille?“

Nein, ich habe ein großes Mitgefühl mit allen Charakteren, weil keiner wirklich schlecht oder wirklich gut ist, sondern einfach auf seine Art und Weise versucht, mit seinen Schicksalen und seinen persönlichen Kämpfen zurecht zu kommen. Genau wie in der Wirklichkeit, oder? Ich unterstelle nie einem Menschen, dass er etwas macht, weil er als Schurke geboren ist, sondern alles in ein Ergebnis einer langen persönlichen Geschichte.

5. Sind weitere Buch-Projekte in Planung oder Ideen in der Gedanken-Schublade?

Auf jeden Fall! Das Schreiben ist für mich quasi ein notwendiges Ventil! Ansonsten könnte meine Frau mich sicherlich nicht mehr lange aushalten! ;-) Im Ernst: Sowohl die Entwicklung des Buches als auch die Rückmeldungen zum Buch machen richtig Spaß! ich werde im Frühsommer meinen zweiten Roman veröffentlichen, in dem es nicht um Politik geht. Auch nicht um Lobbyismus oder so. Da werden die Menschen - vor allem ein Mensch - komplett im Vordergrund stehen. Das Innenleben, das Außenleben und dann gepaart mit einem hoffentlich spannenden Wirtschaftskrimi. Ich hoffe, Sie lesen dann wieder mit und finden dann die Personen auch ein wenig ansprechender! Und zwischendurch gibt es noch einen kleinen Sammelband an Kurzgeschichten, die ich immer mal nebenbei schreibe, wenn mir mal wieder ein Thema auf der Seele liegt.

6. Was ist ihr Lieblingsbuch?

Ich lese persönlich sehr wenig Belletristik, sondern tatsächlich mehr Sachbücher zu Philosophie, Religion und Gesellschaft. Wenn ich Romane lese, dann eher Klassiker. Ich brauche Spannung gepaart mit einem tiefgründigen Hintergrund. Davon gibt es nicht viele Bücher. Entweder gibt es Spannung oder es gibt Tiefgründigkeit. Beides alleine finde ich aber recht eintönig. Daher sind meine Lieblingsbücher Döblins „Berlin-Alexanderplatz“ und Hesses „Steppenwolf“. Bücher, die ich immer wieder lesen könnte. Zurzeit lese ich „Golden House“ von Rushdie. Ein tolles Buch, was mich zwar nicht so fesselt, bei dem ich aber die ganze Kunst des Schriftstellers spüre. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass ich Respekt vor jedem habe, der ein eigenes Buch schreibt. Das ist eine ganz große Leistung.

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben meine Fragen zu beantworten und auch vielen Dank an die Vermittlung über Literaturtest!

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