Montag, 29. Oktober 2012

Rezension: Martin Horvath . Mohr im Hemd oder wie ich auszog die Welt zu retten

Martin Horvath - Mohr im Hemd oder wie ich auszog, die Welt zu retten

Ein Buch, dass mich gespalten zurück lässt...

Inhalt:
"Nun, meine Aufgabe ist es, den Geschichten meiner Mitbewohner hinterherzuspüren. Es sind Geschichten mit vielen exotischen Namen, die schwer zu merken sein mögen, Geschichten, so sei ausdrücklich gewarnt, in denen eindeutig die dunklen Kapitel überwiegen."
(S. 12)

Ali lebt gemeinsam mit über hundert anderen Menschen in Wien in einem Asylantenwohnheim. Ali ist 15 Jahre alt und spricht vierzig Sprachen. Ali weiß einfach alles und spürt den Geschichten seiner Mitbewohner hinterher...

Meinung:
Oh we - letztens habe ich gelesen, dass es vielen Lesern am schwersten fällt ein Drei-Sterne-Buch zu bewerten, und ich muss sagen, dass es stimmt. Es gibt nichts was einen über die Maße begeistert hat, aber auch nichts, worüber man sich schwarz geärgert hat. Aber ich starte jetzt meinen Versuch.

Das schönste und auffälligste an diesem Buch ist definitiv Martin Horvaths Schreibstil. Er schreibt so toll und so abwechslungsreich. Mal poetisch, mal mit sehr spitzer Zunge und mal voller Witz und Ironie - sein Sprachstil ist einfach und schlicht beeindruckend. Er versteht es ohne Probleme mit den Worten umzugehen und fast schon brillante Sätze zu formulieren.
Vielleicht müsste ich einfach noch ein anderes Buch von ihm lesen, vielleicht würden dann Geschichte und Stil zusammen passen oder zusammen wachsen.

Die Geschichte an und für sich fand ich sehr schwer. Natürlich geht es in einem Asylantenwohnheim nicht lustig zu. Menschen, die schlimmes gesehen oder erlebt haben werden dort geparkt, bis man weiß, wie es mit ihnen weitergeht. Ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen oder ausgewiesen werden. Andere Menschen haben die Möglichkeit diese Leben mit einem Wort oder einem Schriftstück zu zerstören - oder wieder lebenswert zu machen.
Natürlich sind viele Geschichten traurig,m aber auch das ist in Ordnung.

Nicht klar gekommen bin ich allerdings mit Ali - und ich denke, dass das schon das Hauptproblem ist. Wie soll man in einer Geschichte versinken und sie genießen, wenn man den Hauptprotagonisten und in diesem Fall auch noch Erzähler des Buches nicht mag?
Ich glaube dann hat man halt einfach verloren. Ich wollte ihm immer wieder eine Chance geben und habe mir gesagt:"Sabrina, geh nicht zu hart mit Ali ins Gericht, er hatte bestimmt ein schlimmes Leben!" Aber genutzt hat es nichts. Er war mir zu altklug, zu überheblich und zu frühreif.
Ich konnte mich ihm einfach nicht nähern.

Ein weiteres Problem war für mich, dass ich nachher nicht mehr wirklich zwischen Fakten und Fiktion unterschieden konnte. Aber wieso das so ist, werdet ihr schon rausfinden, wenn ihr euch an dieses Buch herantraut. Es ist wirklich nicht schlecht und wie gesagt, der Schreibstil ist großartig - aber Ali und ich, wir kommen in diesem Leben nicht mehr zusammen!

Wertung:
♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich beim DVA Verlag und Martin Horvath und wie immer für die tollen Möglichkeiten auch Lovelybooks!

Produktinformation:
Martin Horvath - Mohr im Hemd oder wie ich auszog, die Welt zu retten, 2012 im DVA Verlag erschienen
352 Seiten, 19,99 €

Kommentare:

  1. Sag mal, ist der Autor mit Ödon von Horvath verwandt?

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  2. Ich ahbe mal geschaut - konnte auf die schnelle aber nichts finden :-(

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  3. bin sein neffe und nein er ist nicht mit Ödon verwandt.

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