Freitag, 26. Oktober 2012

Rezension: Dolores Schmidinger - Ich hab sie nicht gezählt

Dolores Schmidinger - Ich hab sie nicht gezählt
Eine unartige Biografie

Eine beeindruckende Frau erzählt von ihrem Leben

Inhalt:
"Wir schreiben das Jahr 2011, ein junger Mann liegt in meinem Bett. Das Bett ist das einzige Möbelstück, das am richtigen Platz steht. Ich bin gerade umgezogen in diese hübsche Mietwohnung mit Garten und überall stehen Kartons herum. Auf dem Boden verstreut liegen Küchenutensilien, Bücher und Kleidungsstücke."
(S. 5)

Meinung:
Ich bin ganz ehrlich und gebe zu, dass ich von Dolores Schmidinger vor ihrem wirklich bewegendem Buch "Ich hab sie nicht gezählt" noch nichts gehört habe, obwohl sie in Österreich Schauspielerin und Kabarettistin ist.

Das Buch und Frau Schmidingers Schreibstil hat mich von der ersten Seite an gefangen genommen. Sie schreibt einfach frei von der Leber weg über ihre Kindheit, ihre Backfischzeit, ihr Elternhaus und auch ihre nicht so glücklich verlaufenen Beziehungen und Ehen
Und natürlich auch immer wieder über ihr berufliches Vorankommen und ihre Erfolge.

Dolores Schmidinger ist sehr offen, sehr offen zu den Männern, sehr offen zu ihren Lesern und genauso offen zu den Zuschauern ihrer Programme. Und ich glaube, dass ihre Offenheit auch dazu geführt hat, dass viele Leute sie falsch eingeschätzt haben, viele Männer.
Von Anfang an wirkte sie in ihren Beziehungen nicht glücklich auf mich, nicht vollends erfüllt, aber ohne diese wechselnden Liebschaften auch nicht. Dolores ist keine Frau, die mit sich selbst alleine glücklich sein kann.
Und dann habe ich dieses Zitat gefunden, dass meinen Eindruck total bestärkt hat, und dass ich euch nun auch nicht vorenthalten möchte.
"Aber für andere lüsterne Kollegen ich bin eine willige Beute. Ich kann einfach nicht nein sagen. Aber es gibt da ein großes Missverständnis: Die glauben, ich bin an einer schnellen Nummer interessiert ("a klane Hur", wie die Herren so sagen, oder etwas liebevoller: "A braves Madl mit aner schlimmen Fut"), aber ich suche ganz einfach die Nähe. Die glauben, sie können meinen Körper benutzen, dabei benütze ich sie als seelische Wärmfläsche."
(S. 73)
Und genau da wird einem bewusst wie verletzlich diese Frau doch ist und man horcht mehr auf die leisen Töne des Buches. Dennoch schafft sie es immer wieder ihr Buch mit ihrem ganz speziellen und liebenswerten Humor aufzulockern und dem Leser ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern.

Ich kann nicht mehr als wirklich meinen Hut vor diesem Buch zu ziehen, und vor Frau Schmidinger, die sich immer wieder gegen Konventionen und Spießertum durchgesetzt hat und ihr Leben gelebt hat. Mit hellen und dunklen Momenten und ich denke, dass sie ihr Leben auch noch weiterhin auskosten wird.

Der bewegendste Seelenstriptease seit langem - lest "Ich hab sie nicht gezählt" und habt Freude an dieser wirklich unartigen Biografie!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich beim Kremayr & Scheriau Verlag und lovelybooks für die Möglichkweit zu dieser Leserunde!

Produktinformation:
Dolores Schmidinger - Ich hab sie nicht gezählt: Eine unartige Biografie, erschienen 2012 bei Kremayr & Scheriau
239 Seiten, 22,- €


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