Mittwoch, 12. September 2012

Rezension: Roland Spranger - Kriegsgebiete

Roland Spranger - Kriegsgebiete

Eindringlicher Roman über Kriegsheimkehrer und ihre psychischen Belastungen

Inhalt:
"Maik starrte weiter auf den Flachbildschirm, während Daniel seinen Blick wandern ließ. Antrainierte Routine. Immer aufmerksam bleiben. Der Garten war verwildert. Sah ein bisschen so aus, als würde Dornröschen schon ein paar Jahre in einem Einfamilienhaus mit Zinkdach und Solaranlage schlafen. Am Anfang hatten sich ein paar Nachbarn beschwert wegen des Unkrauts, das andere Grundstücke infiltrierte. Seit alle wussten, dass Daniel Deutschland am Hindukusch verteidigt hatte, verhielten sie sich ruhig."
(S. 20)

Als Daniel aus dem Afghanistan-Einsatz zurück kommt ist nichts mehr wie es mal war. Er hat Menschen sterben sehen und musste selbst töten. Daniels Psyche ist schwer angeschlagen und durch seine Veränderung ist die Beziehung mit seiner Frau Melanie in die Brüche gegangen. Seine Tochter darf er nur unter Aufsicht sehen. Als ob das noch nicht reicht, tauchen bald Leichen auf, die mit einem Kampfmesser umgebracht wurden. Seinem Messer...

Meinung:
Der Autor Roland Spranger hat sich hier an ein wirklich schwieriges und schwer gewichtiges Thema gewagt. Kriegsheimkehrer und ihre psychischen Belastungen und die Konsequenzen und Folgen, die sie wieder daheim erwarten.

Er hat einen sehr bildlichen und eindringlichen Schreibstil und schafft es dem Leser einen Einblick in die Gefühle und Ängste des Hauptprotagonisten Daniel zu verschaffen. Ein Soldat, der im Afghanistan Krieg zu viel Leid und Kaltblütigkeit miterleben musste und nie wirklich zu hause angekommen ist. Er fühlt sich immernoch vom Feind beobachtet, kann nicht in geschlossenen Räumen leben und muss sich an einen straffen Wochenplan halten um nicht den Halt in der Realität zu verlieren.

"Kriegesgebiete" beginnt mit einem Prolog, der in Afghanistan in Kunduz spielt und ein Jahr vor der Handlung des Romans anzusiedeln ist. Dort wird der Wahnsinn und die Grausamkeit des Krieges beschrieben, der Verlust von Kameraden und der Verlust von Hoffnung.
Die restliche Handlung spielt in vier Tagen. Vier Tage, die für die Protagonisten die Hölle sind. Vier Tage, die Daniel an seinem Verstand zweifeln lassen und vier Tage, die aufzeigen, wozu ein Mensch fähig ist.
"Kriegsgebiete" zeigt aber nicht nur auf, was mit dem Menschen passiert, der sich jeden Tag von Mord und Tod umgeben sieht, sondern auch von seinen Mitmenschen, seiner Familie.

Aber neben der Psyche geht es dennoch um ungeklärte Mordfälle, mehrere Frauenleichen werden aufgefunden und immer ist Daniel in der Nähe. Ist er abgedriftet und verdrängt die Erinnerung an seine Taten oder will ihm jemand etwas böses?
Mit viel Spannung und plötzlichen Wendungen schafft es Roland Spranger immer wieder den Leser zu verwirren und wirklich in die Irre zu führen!

"Kriegsgebiete" ist ein spannender Thriller, der sich mit dem Thema Krieg und den psychischen Belastungen der Soldaten beschäftigt - ein Buch, das gut unterhält, einen nach dem lesen aber auch nachdenklich zurücklässt!

Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥

Für die Bereitstellung bedanke ich mich ganz herzlich beim Bookspot Verlag!

Produktinformation:
Roland Spranger - Kriegsgebiete, 2012 erscheinen im Bookspot Verlag (Edition 211),
280 Seiten, 14,80 €

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